Latinarium

Wichtige Stilmittel

Klangfiguren
  • Alliteration: aufeinanderfolgende Worte beginnen mit demselben Konsonanten, z.B.: Veni, vidi, vici.
  • Assonanz: aufeinanderfolgende Worte beginnen mit demselben Vokal, z.B.: animus acer
  • Homoioteleuton: zusammengehörige Worte enden mit denselben Silben, z.B.: Plenus venter non studet libenter.
  • Onomatopoesie: Lautmalerei, sprachliche Nachahmung von Geräuschen, z.B.: Quámvis sínt sub aquá, sub aquá maledícere témptant. [wie das Quaken von Fröschen]
  • Paronomasie: Wortspiel durch Gleichklang, z.B.: Dum spiro, spero.
  • Polyptoton: verschiedene Formen desselben Wortes folgen aufeinander, z.B.: homo homini lupus

Stellungsfiguren
  • Anapher: Wiederholung desselben Wortes zu Beginn aufeinanderfolgender Verse, Satzteile oder Sätze, z.B.: Néc sollémnia vérba néc laetós vultús nec félix áttulit ómen.
  • Antithese: betonter Gegensatz, z.B.: Quod licet Iovi, non licet bovi.
  • Asyndeton: Aneinanderreihung von Worten, Wortgruppen oder Sätzen ohne Bindewort, z.B.: Laúdat, amát, cantát nostrós mea Róma libéllos.
  • Chiasmus: kreuzweise Anordnung einander entsprechender Satzglieder (ABBA), z.B.: hinc Thísbe, Pyramus illinc
  • Ellipse: Weglassung eines selbstverständlichen Wortes, z.B.: De mortuis nil nisi bene (dicatur).
  • Enjambement: das letzte Wort eines Satzes reicht in den nächsten Vers, z.B.: Úrbs antíqua fuít (Tyrií tenuére colóni) / Kárthago
  • Geminatio: Verdoppelung desselben Wortes, z.B.: Quod scripsi, scripsi.
  • Hyperbaton: Sperrstellung, zwei zusammengehörige Worte sind zur Betonung eines von beiden oder beider voneinander getrennt, z.B.: celsa sedet Aeolus arce
  • Parallelismus: parallele Anordnung einander entsprechender Satzglieder (ABAB), z.B.: Ubi bene, ibi patria.
  • Polysyndeton: Aneinanderreihung von Worten, Wortgruppen oder Sätzen mit Bindeworten, z.B.: et cupit et instat et precatur et donat
  • Trikolon: dreigliedriger Ausdruck, z.B.: curis, molestiis, doloribus liberatus

Sinnfiguren
  • Allegorie: Personifikation eines abstrakten Begriffes, z.B.: It fama per urbes.
  • Enallagé: ein Adjektiv ist nicht mit dem Substantiv übereingestimmt, zu dem es logisch gehört, z.B.: altae moenia Romae [„die Mauern des hohen Rom” statt „die hohen Mauern Roms”]
  • Euphemismus: Beschönigung, ein negativer Ausdruck wird durch einen positiven umschrieben, z.B.: exitus für Tod
  • Hendiadyoin: ein Begriff wird durch zwei Worte derselben Wortart ausgedrückt, z.B.: vis numenque: göttliche Macht
  • Hyperbel: starke Übertreibung, z.B.: instar montis equum
  • Ironie: das Gegenteil des Gesagten ist gemeint, oft zum Spott oder um Unwillen auszudrücken, z.B.: Nos autem, fortes viri, satisfacere rei publicae videmur, si istius furorem ac tela vitamus.: Wir tapfere Männer aber meinen, genug für den Staat zu tun, wenn wir seine [=Catilina] Raserei und Waffen vermeiden.
  • Klimax: Steigerung, stufenweise Verstärkung des Ausdrucks, z.B.: oculis, manibus, toto corpore
  • Litotes: doppelte Verneinung zwecks Hervorhebung, z.B.: non ignoro
  • Metapher: bildlicher Ausdruck, ein Wort wird in einem ihm ursprünglich nicht zukommenden Sinn verwendet, z.B.: clarus [eig. „hell”] für „berühmt”
  • Oxymoron: scheinbar widersprüchliche Aussage, die auf den zweiten Blick Sinn ergibt, z.B.: Festina lente!
  • Paradoxon: in sich widersprüchliche Aussage, deren Widerspruch sich nicht auflöst, z.B.: Cum tacent, clamant.
  • Pars pro toto: ein Teil steht für das Ganze, z.B.: tectum [eig. „Dach”] für „Haus”
  • Pleonasmus: Häufung bedeutungsgleicher oder -ähnlicher Worte zur Verstärkung des Gesagten, z.B.: sine coniuge caelebs [ehelos ohne Gattin]
  • Praeteritio: ein Sachverhalt wird scheinbar übergangen und gerade dadurch bewusst gemacht, z.B.: nam illa nimis antiqua praetereo
  • Rhetorische Frage: Scheinfrage, auf die keine Antwort erwartet wird, z.B.: Quo usque tandem abutere patientia nostra?: Wie lange noch wirst du unsere Geduld missbrauchen?
  • Vergleich: zwei Sachverhalte werden mit einander verglichen, z.B.: Non habet plus sapientiae quam lapis.: Er ist nicht klüger als ein Stein.

Quelle: Skripten Mag. Franz Schwendtner