Ars Amatoria I, 89-100 – Das Theater als idealer „Aufriss-Ort“
| Séd tu praécipué curvís venáre theátris: |
| haéc loca súnt votó fértilióra tuó. |
| Íllic ínveniés, quod amés, quod lúdere póssis, |
| quódque semél tangás, quódque tenére velís. |
| Út redit ítque frequéns longúm formíca per ágmen, |
| grániferó solitúm cúm vehit óre cibúm, |
| aút ut apés saltúsque suós et oléntia náctae |
| páscua pér florés ét thyma súmma volánt, |
| síc ruit ád celebrés cultíssima fémina lúdos: |
| cópia iúdiciúm saépe moráta meúm (e)st. |
| Spéctatúm veniúnt, veniúnt, specténtur ut ípsae: |
| ílle locús castí dámna pudóris habét. |
Aber du jage vor allem in gekrümmten Theatern: diese Orte sind ergiebiger als dein Wunsch [=als du dir wünschen kannst]. Dort wirst du finden, was du liebst, mit dem du spielen kannst, was du einmal berührst und was du behalten willst.
Wie eine Ameise in langer Schlange häufig geht und zurückkehrt, wenn sie mit dem Körner tragenden Mund die gewohnte Nahrung trägt, oder wie Bienen, nachdem sie sowohl ihre Waldschluchten als auch duftende Weiden erreicht haben, durch Blumen und Thymianblüten fliegen, so eilt die sehr herausgeputzte Frau zu den gut besuchten Spielen: die Menge hat oft mein Urteil behindert. Sie kommen, um zu betrachten, sie kommen, um selbst betrachtet zu werden: jener Ort ist schädlich [wörtlich: hat Schaden] für das keusche Schamgefühl.
