Latinarium

Ars Amatoria I, 659-670 – Wie man am besten zur Sache kommt
Ét lacrimaé prosúnt: lacrimís adamánta movébis:
fác madidás videát, sí potes, ílla genás.
Sí lacrimaé (nequ(e) ením veniúnt in témpore sémper)
déficiént, udá lúmina tánge manú.
Quís sapiéns blandís non mísceat óscula vérbis?
Ílla licét non dét, nón data súme tamén.
Púgnabít primó fortássis, et „ímprobe!” dícet:
púgnandó vincí sé tamen ílla volét.
Tántum né noceánt tenerís male rápta labéllis
néve querí possít dúra fuísse, cavé!
Óscula quí sumpsít, si nón et cétera súmet,
haéc quoque, quaé data súnt, pérdere dígnus erít.

Auch Tränen nutzen: mit Tränen wirst du Stahl bewegen: wenn du es kannst, mach, dass jene deine feuchten Wangen sieht. Wenn die Tränen fehlen (denn sie kommen nicht immer zur rechten Zeit), berühre deine Augen mit der nassen Hand. Welcher Kluge würde zu den schmeichelnden Worten nicht Küsse mischen? Wenn jene sie auch nicht gibt, nimm dennoch die nicht Gegebenen.

Sie wird vielleicht zuerst kämpfen und „du Frecher!” sagen: dennoch will [wörtlich: wird wollen] jene trotz des Kämpfens besiegt werden. Achte nur darauf, dass sie [=die Küsse] nicht, schlecht geraubt, den zarten Lippchen schaden und dass sie [=das Mädchen] sich nicht beschweren kann, sie wären plump gewesen! Wenn jemand, der sich die Küsse genommen hat, nicht auch das Übrige nimmt [wörtlich: nehmen wird], ist er würdig [wörtlich: wird er würdig sein], auch das, was gegeben wurde, zu verlieren.