Ars Amatoria I, 269-276; 343-345 – Alle sind zu haben!
| Príma tuaé mentí veniát fidúcia cúnctas |
| pósse capí; capiés, tú modo ténde plagás! |
| Vére priús volucrés taceánt, aestáte cicádae, |
| Maénaliús leporí dét sua térga canís, |
| fémina quám iuvení blandé temptáta repúgnet: |
| haéc quoque, quám poterís crédere nólle, volét. |
| Útque viró furtíva venús, sic gráta puéllae: |
| vír male díssimulát – téctius ílla cupít. |
| Érg(o) age, né dubitá cunctás speráre puéllas; |
| víx erit é multís, quaé neget, úna, tibí. |
| Quaé dant quaéque negánt, gaudént tamen ésse rogátae. |
Zuerst soll deinem Sinn die Zuversicht kommen, dass alle gefangen werden können, du spanne nur die Netze auf! Eher könnten im Frühling die Vögel und im Sommer die Zikaden schweigen, könnte ein arkadischer Hund vor dem Hasen davonlaufen, als dass eine schmeichlerisch in Versuchung geführte Frau einem jungen Mann Widerstand leistete: auch die, von welcher du glauben könntest, dass sie nicht wolle, wird wollen. Und wie einem Mann die heimliche Liebe willkommen ist, so ist sie es (auch) dem Mädchen: der Mann verstellt sich schlecht – jene begehrt heimlicher.
Also auf, zweifle nicht, alle Mädchen zu erhoffen; von vielen wird es kaum eine geben, welche dir verneint. Einige gewähren und einige verneinen, freuen sich (aber) dennoch, gebeten worden zu sein.
