Latinarium

Amores I, 4 – Mahnungen vor einem Gastmahl
Vír tuus ést epulás nobís aditúrus eásdem:
Última céna tuó sít precor ílla viró.
Érg(o) ego dílectám tantúm convíva puéllam
áspiciám? Tangí quém iuvet, álter erít,
álteriúsque sinús apté subiécta fovébis?
Íniciét colló, cúm volet, ílle manúm?
Désine mírarí, positó quod cándida víno
Átracis ámbiguós tráxit in árma virós;
néc mihi sílva domús, nec equó mea mémbra cohaérent:
Víx a té videór pósse tenére manús.
Quaé tibi sínt faciénda tamén cognósce, nec Eúris
dá mea néc tepidís vérba ferénda Notís.
Ánte vení quam vír; nec quíd, si véneris ánte,
póssit agí videó, séd tamen ánte vení.
Cúm premet ílle torúm, vultú comes ípsa modésto
íbis ut áccumbás, clám mihi tánge pedém;
mé spectá nutúsque meós vultúmque loquácem:
Éxcipe fúrtivás ét refer ípse notás.
Vérba supérciliís sine vóce loquéntia dícam;
vérba legés digitís, vérba notáta meró.
Cúm tibi súccurrét Venerís lascívia nóstrae,
púrpureás teneró póllice tánge genás;
sí quid erít, de mé tacitá quod ménte queráris,
péndeat éxtremá móllis ab aúre manús;
cúm tibi, quaé faciám, mea lúx, dicámve, placébunt,
vérsetúr digitís ánulus úsque tuís;
tánge manú mensám, tangúnt quo móre precántes,
óptabís meritó cúm mala múlta viró.
Quód tibi míscuerít, sapiás, bibat ípse iubéto;
tú puerúm levitér pósce quod ípsa volés.
Quaé tu réddiderís, ego prímus pócula súmam,
ét, qua tú biberís, hác ego párte bibám.
Sí tibi fórte dabít quod praégustáverit ípse,
réice líbatós íllius óre cibós.
Néc premat ímpositís sinitó tua cólla lacértis,
míte nec ín rigidó péctore póne capút,
néc sinus ádmittát digitós habilésve papíllae;
óscula praécipué núlla dedísse velís.
Óscula sí dederís, fiám maniféstus amátor
ét dicám “mea súnt” íniciámque manúm.
Haéc tamen áspiciám, sed quaé bene pállia célant,
ílla mihí caecí caúsa timóris erúnt.
Néc femorí commítte femúr nec crúre cohaére
néc tenerúm duró cúm pede tánge pedém.
Múlta misér timeó, quia féci múlta protérve,
éxemplíque metú tórqueor ípse meí:
Saépe mihí dominaéque meaé properáta volúptas
véste sub íniectá dúlce perégit opús.
Hóc tu nón faciés; sed né fecísse putéris,
cónscia dé tergó pállia déme tuó.
Vír bibat úsque rogá (precibús tamen óscula désint),
dúmque bibít, furtím, sí potes, ádde merúm.
Sí bene cómpositús somnó vinóque iacébit,
cónsiliúm nobís résque locúsque dabúnt.
Cúm surgés abitúra domúm, surgémus et ómnes,
ín mediúm turbaé fác memor ágmen eás:
Ágmine m(e) ínveniés aut ínveniéris in íllo;
quícquid ibí poterís tángere, tánge, meí.
Mé miserúm! Monuí, paucás quod prósit in hóras;
séparor á dominá nócte iubénte meá.
Nócte vir íncludét; lacrimís ego maéstus obórtis,
quá licet, ád saevás prósequar úsque forés.
Óscula iám sumét, iam nón tant(um) óscula súmet:
quód mihi dás furtím, iúre coácta dabís.
Vér(um) invíta dató (potes hóc) similísque coáctae:
Blánditiaé taceánt sítque malígna Venús.
Sí mea vóta valént, illúm quoque né iuvet ópto;
sí minus, át certé té iuvet índe nihíl.
Séd quaecúmque tamén noctém fortúna sequétur,
crás mihi cónstantí vóce dedísse negá.

Dein Mann wird dasselbe Gastmahl wie wir besuchen: ich bete darum, dass jenes das letzte Mahl für deinen Mann ist. Werde ich also das geliebte Mädchen nur als Gast betrachten? Wird es ein anderer sein, den es erfreut, berührt zu werden, und wirst du, eng an die Brust eines Anderen geschmiegt, sie wärmen? Wird jener, wenn er es will, seine Hand um deinen Hals legen?

Höre auf dich zu wundern, dass die weiße Tochter des Atrax [=Hippodameia] die zweigestaltigen Männer [=Kentauren] zum Kampf reizte, nachdem Wein vorgesetzt worden war; weder ist meine Wohnung der Wald noch sind meine Glieder mit einem Pferd verbunden: ich scheine (dennoch) kaum die Hände von dir fernhalten zu können. Erkenne dennoch, was du tun musst, und gib weder den Ostwinden [wörtlich: dem Eurus] noch den milden Südwinden [wörtlich: Notus] meine Worte, damit sie fortgetragen werden.

Komme früher als dein Mann; und ich sehe (zwar) nicht, was man tun kann, wenn du früher kommst, aber komme trotzdem früher. Wenn sich jener auf das Speisesofa legen wird und du selbst als Gefährtin mit maßvollem Gesicht gehen wirst, um dich niederzulegen, berühre mir heimlich den Fuß; schaue mich und mein Nicken und meine gesprächige Miene an: empfange heimliche Zeichen und gib sie selbst zurück. Ich werde mit den Augenbrauen ohne einen Laut sprechende Worte sagen; du wirst Worte mit den Fingern, mit Wein geschriebene Worte lesen. Wenn dir die Zügellosigkeit unserer Liebesspiele in den Sinn kommt, berühre die purpurnen Wangen mit dem zarten Daumen; wenn es etwas gibt, das du im verschwiegenen Geist über mich beklagst, soll deine weiche Hand das Ohrläppchen berühren; wenn dir, mein Licht, gefällt, was ich tue oder sage, soll der Ring von deinen Fingern fortwährend gedreht werden; berühre den Tisch mit der Hand auf die Weise, wie ihn Betende berühren, wenn du mit Recht viele Übel für deinen Mann wünschst.

Was er dir gemischt hat, sei klug, das befiehl ihm selbst zu trinken; fordere selbst leise vom Diener, was du willst. Den Becher, den du zurückstellst, werde ich als Erster nehmen, und auf der Seite trinken, auf der du trankst. Wenn er dir vielleicht etwas gibt, was er selbst vorgekostet hat, weise die von seinem Mund gekosteten Speisen zurück. Und lasse nicht zu, dass er deinen Hals mit darumgelegten Armen drückt, lege deinen sanften Kopf nicht auf seine harte Brust, und weder die Brust noch die handlichen Brustwarzen sollen seine Finger zulassen; gib ihm vor allem keine Küsse. Wenn du ihm Küsse gibst, werde ich mich als Liebhaber deutlich zu erkennen geben, sagen „sie gehören mir“ und meine Hand darauf legen [=sie nehmen].

Dies werde ich wenigstens [oder: Mag ich dies] sehen, aber jene Dinge, die der Mantel gut verheimlicht, werden mir Grund für blinde Furcht sein. Verbinde weder den Oberschenkel mit dem Oberschenkel noch sei an der Wade/am Unterschenkel verbunden noch verbinde den zarten mit dem rohen Fuß. Ich Armer fürchte vieles, weil ich schamlos vieles getan habe, und quäle mich selbst aus Angst vor meinem Beispiel: Oft hat von mir und meiner Herrin ereilte Lust unter dem darübergeworfenen Gewand das süße Werk vollendet. Dies wirst du nicht tun; aber damit man nicht glaubt, du tätest es [wörtlich: habest es getan], nimm den mitwissenden Mantel von deinem Rücken.

Bitte, dass dein Mann fortwährend trinkt (dennoch sollen den Bitten die Küsse fehlen), und während er trinkt, füge heimlich reinen Wein hinzu, wenn du es kannst. Wenn er von Schlaf und Wein gut gebettet daliegt, werden uns die Umstände und der Ort einen Plan eingeben. Wenn du aufstehst, um nach Hause wegzugehen, werden auch wir alle aufstehen, mach, dass du daran denkst, mitten ins Gedränge der Masse zu gehen: im Gedränge wirst du mich finden oder wirst in ihm gefunden werden; berühre dort alles von mir, was du berühren kannst.

Ich Armer! Ich habe gemahnt, was für wenige Stunden nützt; ich werde von meiner Herrin getrennt, weil die Nacht es befiehlt. In der Nacht wird sie der Mann einschließen; ich werde sie mit herunterströmenden Tränen traurig begleiten, soweit es erlaubt ist, bis zur grausamen Tür. Bald wird er sich Küsse nehmen, bald wird er nicht nur Küsse nehmen: was du mir heimlich gibst, wirst du ihm von Rechts wegen gezwungen geben. Aber gib es unwillig (das kannst du) und ähnlich einer Gezwungenen: Schmeicheleien sollen schweigen und Venus soll lustlos sein.

Wenn meine Wünsche Erfolg haben, wünsche ich, dass es auch ihn nicht erfreut; wenn sie weniger Erfolg haben, dass es dann wenigstens dich sicherlich gar nicht erfreut. Aber welcher Umstand auch immer der Nacht folgt, sage mir morgen mit fester Stimme, dass du es nicht gegeben hast.