Latinarium

Amores I, 2 – Vom Pfeil Amors getroffen
Ésse quid hóc dicám, quod tám mihi dúra vidéntur
stráta, nequ(e) ín lectó pállia nóstra sedént,
ét vacuús somnó noctém, quam lónga, perégi,
lássaque vérsatí córporis óssa dolént?
Nám, puto, séntirém, si quó temptárer amóre –
án subit ét tectá cállidus árte nocét?
Síc erit: haéserúnt tenués in córde sagíttae,
ét posséssa ferús péctora vérsat Amór.
Cédimus, án subitúm luctánd(o) accéndimus ígnem?
Cédamús: leve fít, quód bene fértur, onús.
Víd(i) ego iáctatás motá face créscere flámmas
ét vidí nulló cóncutiénte morí.
Vérbera plúra ferúnt quam quós iuvat úsus arátri,
détractánt prensí dúm iuga príma, bovés.
Ásper equús durís contúnditur óra lupátis:
fréna minús sentít, quísquis ad árma facít.
Ácrius ínvitós multóque ferócius úrget,
quám qui sérvitiúm férre faténtur, Amór.
Én ego, cónfiteór, tua súm nova praéda, Cupído;
pórrigimús victás ád tua iúra manús.
Níl opus ést belló: pacém veniámque rogámus;
néc tibi laús armís víctus inérmis eró.
Nécte comám myrtó, matérnas iúnge colúmbas;
quí deceát, currúm vítricus ípse dabít;
ínque dató currú, populó clamánte triúmphum,
stábis et ádiunctás árte movébis avés.
Dúcentúr captí iuvenés captaéque puéllae:
haéc tibi mágnificús pómpa triúmphus erít.
Íps(e) ego, praéda recéns, factúm modo vúlnus habébo
ét nova cáptivá víncula ménte ferám.
Méns Bona dúcetúr manibús post térga retórtis
ét Pudor ét castrís quícquid Amóris obést.
Ómnia té metuént, ad té sua brácchia téndens
vúlgus „Ió” magná vóce „triúmphe” canét.
Blánditiaé comités tib(i) erúnt Errórque Furórque,
ássidué partés túrba secúta tuás.
Hís tu mílitibús superás hominésque deósque;
haéc tibi sí demás cómmoda, núdus erís.
Laéta triúmphantí de súmmo máter Olýmpo
plaúdet et áppositás spárget in óra rosás.
Tú pinnás gemmá, gemmá variánte capíllos,
íbis in aúratís, aúreus ípse, rotís.
Túm quoque nón paucós, si té bene nóvimus, úres;
túm quoque praéteriéns vúlnera múlta dabís.
Nón possúnt, licet ípse velís, cessáre sagíttae;
férvida vícinó flámma vapóre nocét.
Tális erát domitá Bacchús Gangétide térra:
tú gravis álitibús, tígribus ílle fuít.
Érgo cúm possím sacrí pars ésse triúmphi,
párce tuás in mé pérdere víctor opés.
Áspice cógnatí felícia Caésaris árma:
Quá vicít, victós prótegit ílle manú.

Was soll ich sagen, dass das ist, dass mir die Laken so hart erscheinen, dass unsere Decke nicht auf dem Bett verweilt, dass ich frei von Schlaf die Nacht, wie lang ist sie, verbrachte, und die ermatteten Knochen des hin und her geworfenen Körpers schmerzen? Denn ich würde es merken, glaube ich, wenn ich von irgendeinem Liebesgefühl versucht würde – oder kommt es etwa heimlich und schadet gewitzt mit verdeckter Kunst? –

So wird es sein: die zarten Pfeile steckten im Herzen, und der wilde Amor quält das in Besitz genommene Herz. Weichen wir [oder: wir weichen], oder entfachen wir das heimliche Feuer durch Kämpfen? Lasst uns weichen: eine Last, die gut getragen wird, wird leicht. Ich sah geschwenkte Flammen durch Bewegung der Fackel wachsen und ich sah sie erlöschen, wenn niemand sie schwang. Eingefangene Rinder ertragen mehr Schläge, solange sie versuchen, das erste Joch abzuschütteln, als die, welche die Benutzung des Pfluges unterstützen. Ein wildes Pferd zerreibt sich das Maul an der harten Trense: jedes, das sich den Geräten anpasst, fühlt die Zügel weniger. Amor bedrängt die Unwilligen heftiger und viel wilder als die, die bekennen, Knechtschaft zu ertragen.

Siehe, ich bekenne es, ich bin deine neue Beute, Cupido; wir strecken die besiegten Hände zu deinen Urteilssprüchen aus. Kein Krieg ist nötig: wir erbitten Frieden und Gnade; und ich werde kein Ruhmesobjekt für dich sein, wenn ich unbewaffnet durch Waffen besiegt werde. Umwinde das Haar mit Myrte, spanne die mütterlichen Tauben an; der Stiefvater wird selbst den Wagen geben, der sich ziemt; und in dem gegebenen Wagen wirst du stehen und die angebundenen Vögel kunstgemäß [oder: die kunstgemäß angebundenen Vögel] antreiben, während das Volk Triumph ruft.

Gefangene Jünglinge und gefangene Mädchen werden herumgeführt werden: dieser Festzug wird für dich ein großer Triumph sein. Ich selbst, eine frische Beute, werde die eben zugefügte Wunde haben und die neuen Fesseln im erbeuteten Geist tragen. Die gute Gesinnung wird mit hinter den Rücken gebogenen Armen geführt werden, die Scham und alles, was dem Lager Amors feindlich ist. Alles wird dich fürchten, das Volk wird seine Arme zu dir ausstrecken und mit lauter Stimme „Hurra, Triumph!“ rufen. Du wirst Schmeichelei, Irrtum und Raserei als Begleiter haben, eine Schar, die beständig deiner Partei folgt [wörtlich: gefolgt ist]. Mit diesen Soldaten besiegst du Menschen und Götter; wenn man dir diese Vorteile nimmt, wirst du hilflos sein. Die Mutter wird froh dem Triumphierenden vom Gipfel des Olymp applaudieren und zurechtgelegte Rosenblätter auf dein Gesicht streuen. Du wirst, weil ein Edelstein die Federn, weil einer die Haare schmückt, auf einem goldenen Wagen, selbst golden, fahren.

Auch da wirst du, wenn wir dich gut kennen, nicht Wenige entflammen; auch da wirst du im Vorüberfahren viele Wunden zufügen. Die Pfeile können nicht untätig sein, auch wenn du es selbst willst; die heiße Flamme schadet durch nahe Hitze. So war Bacchus, nachdem er das Land des Ganges bezwungen hatte: du bist durch Vögel erhaben, jener war es durch Tiger. Weil ich also ein Teil des heiligen Triumphzuges sein kann, spare es dir, als Sieger deine Kräfte an mir zu verschwenden. Erblicke die glücklichen Waffen deines Verwandten Caesar [=Augustus]: jener beschützt die Besiegten mit der Hand, mit der er gesiegt hat.