Latinarium

Amores I, 1 – Die Berufung Ovids zum Liebesdichter
Árma graví numeró violéntaque bélla parábam
édere, máteriá cónveniénte modís.
Pár erat ínferiór versús; risísse Cupído
dícitur átqu(e) unúm súrripuísse pedém.
„Quís tibi, saéve puér, dedit hóc in cármina iúris?
Píeridúm vatés, nón tua, túrba sumús.
Quíd si praéripiát flavaé Venus árma Minérvae,
véntilet áccensás fláva Minérva facés?
Quís probet ín silvís Cererém regnáre iugósis,
lége pharétrataé vírginis árva colí?
Crínibus ínsigném quis acúta cúspide Phoébum
ínstruat, Áoniám Márte movénte lyrám?
Súnt tibi mágna, puér, nimiúmque poténtia régna:
Cúr opus áffectás ámbitióse novúm?
Án, quod ubíque, tuúm (e)st? Tua súnt Helicónia témpe?
Víx etiám Phoebó iám lyra túta suá (e)st?
Cúm bene súrrexít versú nova página prímo,
áttenuát nervós próximus ílle meós.
Néc mihi máteriá (e)st numerís levióribus ápta,
aút puer aút longás cómpta puélla comás.”
Quéstus erám, pharetrá cum prótinus ílle solúta
légit in éxitiúm spícula fácta meúm
lúnavítque genú sinuósum fórtiter árcum
„quód”que „canás, vatés, áccipe” díxit „opús.”
Mé miserúm! Certás habuít puer ílle sagíttas.
Úror, et ín vacuó péctore régnat Ámor.
Séx mihi súrgat opús numerís, in quínque resídat;
férrea cúm vestrís bélla valéte modís.
cíngere lítoreá flavéntia témpora mýrto,
Músa per úndenós émodulánda pedés.

Ich bereitete mich vor, Waffen in wuchtigem Versmaß und gewaltsame Kriege zu besingen, wobei der Stoff mit dem Versmaß zusammenstimmte. Gleich war der untere Vers; Cupido soll gelacht und einen Versfuß geraubt haben. „Wer gab dir, wilder Knabe, dieses Recht auf Gedichte? Wir Dichter sind die Schar der Pieriden [=Musen], nicht die deine. Was, wenn Venus die Waffen der blonden Minerva ergreift, wenn die blonde Minerva die entzündeten Fackeln schwingt? Wer könnte gutheißen, dass Ceres in bergigen Wäldern regiert, dass die Äcker nach der Ordnung der köchertragenden Diana bestellt werden? Wer könnte den an Haaren markanten Phöbus mit einer scharfen Lanze ausstatten, während Mars die aonische Leier spielt?

Knabe, du hast große und allzu mächtige Reiche: warum strebst du Ehrgeiziger nach einem neuen Werk? Oder ist etwa dein, was überall ist? Sind dein die helikonischen Haine? Ist auch für Phöbus seine Leier kaum mehr sicher? Wenn sich die neue Seite gut mit dem ersten Vers erhoben hat, schwächt jener nächste meine Saiten. Und ich habe keinen Stoff, der kleineren Versfüßen angemessen ist, weder einen Knaben noch ein Mädchen, die sich die langen Haare gekämmt hat.“ Ich hatte geklagt, als jener sogleich die zu meinem Untergang gemachten Pfeile sammelte, nachdem er den Köcher geöffnet hat, stark den gekrümmten Bogen mit dem Knie spannte und sagte „Dichter, empfange ein Werk, sodass du es besingen kannst!“

Ich Armer! Jener Knabe hatte treffsichere Pfeile. Ich brenne, und Amor regiert in der leeren Brust. In sechs Füßen mag sich mir das Werk erheben, in fünf mag es sich senken; lebt wohl, eiserne Kriege mit eurem Versmaß! Bekränze dich an den blonden Schläfen mit Myrte von der Küste, Muse, die mit je elf Versfüßen zu besingen ist!