Latinarium

Metamorphosen 1, 525-566 – Daphne
Plúra locúturúm timidó Penéїa cúrsu
fúgit cúmqu(e) ipsó verb(a) ímperfécta relíquit.
Túm quoque vísa decéns; nudábant córpora vénti
óbviaqu(e) ádversás vibrábant flámina véstes,
ét levis ímpulsós retró dabat aúra capíllos
aúctaque fórma fugá (e)st. Sed ením non sústinet últra
pérdere blánditiás iuvenís deus, útque movébat
Íps(e) Amor, ádmissó sequitúr vestígia pássu.
Út canis ín vacuó leporém cum Gállicus árvo
vídit, et híc praedám pedibús petit, ílle salútem
– álter inhaésuró similís iam iámque tenére
spérat et éxtentó stringít vestígia róstro,
álter in ámbiguó (e)st, an sít comprénsus, et ípsis
mórsibus éripitúr tangéntiaqu(e) óra relínquit –
síc deus ét virgó, (e)st hic spé celer, ílla timóre.
Quí tamen ínsequitúr, pennís adiútus Amóris
ócior ést requiémque negát tergóque fugácis
ímminet ét criném sparsúm cervícibus áfflat.
Víribus ábsumptís expálluit ílla citaéque
vícta labóre fugaé spectáns Penéїdas úndas
„Fér pater“, ínquit, „opém, si flúmina númen habétis!
Quá nimiúm placuí, mutándo pérde figúram!“
Víx prece fínitá torpór gravis óccupat ártus:
Móllia cínguntúr tenuí praecórdia líbro,
ín frondém crinés, in rámos brácchia créscunt;
pés, modo tám velóx, pigrís radícibus haéret,
óra cacúmen habét: Remanét nitor únus in ílla.
Hánc quoque Phoébus amát positáqu(e) in stípite déxtra
séntit adhúc trepidáre novó sub córtice péctus
cómplexúsque suís ramós ut mémbra lacértis
óscula dát lignó, refugít tamen óscula lígnum.
Cuí deus „Át quoniám coniúnx mea nón potes ésse,
árbor erís certé“, dixít, „mea! Sémper habébunt
té coma, té citharaé, te nóstrae, laúre, pharétrae.
Tú ducibús Latiís aderís, cum laéta triúmphum
vóx canet ét visént longás Capitólia pómpas.
Póstibus Aúgustís eadém fidíssima cústos
ánte forés stabís mediámque tuébere quércum,
útque me(um) íntonsís caput ést iuvenále capíllis,
tú quoque pérpetuós sempér gere fróndis honóres!“
Fínierát Paeán. Factís modo laúrea rámis
ádnuit útque capút visá (e)st agitásse cacúmen.

Die Tochter des Peneus floh in ängstlichem Lauf vor ihm, der (noch) mehr sagen wollte, und ließ mit ihm selbst die unvollendeten Worte zurück. Auch da schien sie schön (zu sein); die Winde entblößten den [wörtlich: die] Körper und entgegenwehende Lüfte bauschten die (dem Wind) ausgesetzten Kleider, und der schnelle Luftzug ließ die bewegten Haare zurückwehen [wörtlich: beugte die bewegten Haare zurück] und ihre Schönheit wurde durch die Flucht gesteigert. Aber weil der junge Gott es nicht länger ertrug, Schmeicheleien zu verschwenden, und weil ihn Amor selbst bewegte, folgte er in eilendem Lauf ihren Spuren.

Wie wenn ein gallischer Hund auf freiem Feld einen Hasen sieht und dieser mit den Läufen die Beute, jener die Rettung anstrebt – der eine hofft, als würde er ihm im Nacken sitzen [wörtlich: ähnlich einem, der im Begriff ist, an ihm festzuhängen], ihn schon festzuhalten und berührt mit der vorgestreckten Schnauze seine Läufe, der andere ist im Zweifel, ob er (schon) ergriffen ist, und macht sich von den Bissen los und entkommt dem (ihn) berührenden Maul [wörtlich: verlässt die berührenden Mäuler] – so (sind) der Gott und das Mädchen, dieser ist vor Hoffnung, jene vor Furcht schnell.

Dieser verfolgt sie dennoch, ist von den Flügeln Amors unterstützt schneller, verweigert (ihr) Ruhe, sitzt der Flüchtenden im Nacken und haucht das im Nacken flatternde [wörtlich: im Nacken verstreute] Haar an. Als jene ihre Kräfte verbraucht hatte, erbleichte sie und sagte, von der Mühe der schnellen Flucht besiegt, als die die Wogen des Peneus erblickte: „Vater, bring Hilfe, wenn ihr Flüsse göttliche Macht habt! Verdirb durch Verwandlung die Gestalt, durch die ich zu sehr gefiel!“

Kaum ist die Bitte vollendet, befällt eine schwere Erstarrung die Glieder: Die weiche Brust wird von zartem Bast umschlossen, die Haare werden zu Laub, die Arme zu Ästen; der Fuß, eben so schnell, stockt in zähen Wurzeln, das Gesicht wird zum Wipfel [wörtlich: ein Wipfel hat das Gesicht]: Einzig ihre Schönheit bleibt in jener zurück.

Auch diese liebt Phoebus (Apollo) und fühlt mit der auf den Stamm gelegten Rechten (Hand) noch das Herz unter der neuen Rinde schlagen und gibt dem Holz, nachdem er die Äste (mit seinen Armen) wie Glieder umarmt hat, Küsse, dennoch weicht das Holz vor den Küssen zurück. Zu diesem (sagte) der Gott: „Aber weil du nicht meine Frau sein kannst, wirst du sicherlich mein Baum sein! Immer wirst du, Lorbeer, mein Haar, meine Zither [wörtlich: Zithern] und meinen [wörtlich: meine] Köcher zieren [wörtlich: werden dich … haben]. Du wirst auf den latinischen Anführern sein, wenn eine frohe Stimme den Triumph verkündet und das Kapitol lange Festzüge sieht. Ebenso wirst du als treuester Wächter bei den kaiserlichen Türpfosten vor dem Eingang stehen und den Eichenkranz [wörtlich: die Eiche] in der Mitte beschützen, und wie mein jugendliches Haupt ungeschnittene Haare hat [wörtlich: von ungeschnittenen Haaren ist], trage auch du des Laubes beständige Zierde!“

Paean [= Apollo] hatte geendet. Der Lorbeer nickte mit den gerade entstandenen Ästen zustimmend und schien den Wipfel wie ein Haupt zu bewegen [wörtlich: bewegt zu haben].