Martial 1, 109 – Publius und seine Issa
| Íssa (e)st pássere néquiór Catúlli, |
| Íssa (e)st púrior ósculó colúmbae, |
| Íssa (e)st blándior ómnibús puéllis, |
| Íssa (e)st cárior Índicís lapíllis, |
| Íssa (e)st déliciaé catélla Públi. |
| Hánc tu, sí queritúr, loquí putábis; |
| séntit trístitiámque gaúdiúmque. |
| Cóllo níxa cubát capítque sómnos, |
| út suspíria núlla séntiántur; |
| ét desíderió coácta véntris |
| gútta pállia nón feféllit úlla, |
| séd blandó pede súscitát toróque |
| déponí monet ét rogát levári. |
| Cástae tántus inést pudór catéllae, |
| ígnorát Venerém, nec ínvenímus |
| dígnum tám tenerá virúm puélla. |
| Hánc ne lúx rapiát supréma tótam, |
| pícta Públius éxprimít tabélla, |
| ín qua tám similém vidébis Íssam, |
| út sit tám similís sibí nec ípsa. |
| Íssam dénique póne cúm tabélla: |
| Aút utrámque putábis ésse véram |
| aút utrámque putábis ésse píctam. |
Issa ist verspielter als der Spatz des Catull, Issa ist reiner als der Schnabel einer Taube, Issa ist zärtlicher als jedes Mädchen, Issa ist kostbarer als indische Perlen, das Hündchen Issa ist die Freude des Publius. Wenn sie klagt, wirst du glauben, dass sie spricht; sie fühlt Trauer und Freude. Sie liegt auf seinen Hals gestützt und schläft so ein, dass man keine Seufzer hört; und sie hat nie, vom Bedürfnis des Bauches gezwungen, mit einem Tropfen die Bettdecke [wörtlich: Bettdecken] befleckt, sondern weckt ihn [=Publius] mit schmeichelndem Lauf, fordert ihn auf, vom Bett heruntergehoben zu werden und bittet, (wieder) emporgehoben zu werden.
Das keusche Hündchen hat so großen Anstand, es kennt die Liebe [wörtlich: Venus] nicht, und wir finden keinen Mann, der eines so zarten Mädchens würdig ist. Damit sie der letzte Tag nicht ganz wegreißt, stellt Publius sie in einem gemalten Bildchen dar, in welchem du Issa so ähnlich sehen wirst, wie sie sich selbst nicht ist. Nimm schließlich Issa mit dem Bildchen: Du wirst entweder glauben, dass jede von beiden wahr oder dass jede von beiden gemalt ist.
