Latinarium

In Catilinam Oratio Prima, c. 5-6,1 – Catilina kann noch nicht getötet werden

Castra sunt in Italia contra populum Romanum in Etruriae faucibus collocata, crescit in dies singulos hostium numerus; eorum autem imperatorem ducemque hostium intra moenia atque adeo in senatu videtis intestinam aliquam cotidie perniciem rei publicae molientem.

Si te iam, Catilina, comprehendi, si interfici iussero, credo, erit verendum mihi, ne non potius hoc omnes boni serius a me quam quisquam crudelius factum esse dicat. Verum ego hoc, quod iam pridem factum esse oportuit, certa de causa nondum adducor, ut faciam. Tum denique interficieris, cum iam nemo tam improbus, tam perditus, tam tui similis inveniri poterit, qui id non iure factum esse fateatur.

Quamdiu quisquam erit, qui te defendere audeat, vives, et vives ita, ut nunc vivis, multis meis et firmis praesidiis obsessus, ne commovere te contra rem publicam possis. Multorum te etiam oculi et aures non sentientem, sicut adhuc fecerunt, speculabuntur atque custodient.

In Italien gibt es ein in den Schluchten Etruriens gegen das römische Volk errichtetes Lager, die Zahl der Feinde wächst jeden einzelnen Tag; aber deren Befehlshaber und Anführer der Feinde seht ihr innerhalb der Mauern und sogar im Senat, wie er täglich irgendein Verderben im Inneren des Staates plant.

Wenn ich dich, Catilina, jetzt ergreifen und töten lasse, glaube ich, werde ich fürchten müssen, dass nicht eher alle Anständigen sagen, dies sei zu spät, als dass irgendjemand sagen könnte, es sei zu grausam von mir getan worden. Aus einem gewissen Grund aber werde ich bewegt, das, was schon längst geschehen hätte müssen, noch nicht zu tun. Dann endlich wirst du getötet werden, wenn niemand mehr so schlecht, so heruntergekommen, so deiner ähnlich gefunden werden kann, der zugibt, dass dies nicht zu Recht geschehen ist.

So lange es jemand geben wird, der wagt, dich zu verteidigen, wirst du leben, und du wirst so leben, wie du jetzt lebst, von meinen vielen und starken Wachen umringt, damit du dich nicht gegen den Staat rühren kannst. Auch werden dich, ohne dass du es merkst, die Augen und Ohren Vieler, so wie sie es bis jetzt getan haben, beobachten und bewachen.