Latinarium

Agricola 10-12 – Beschreibung Britanniens

10. Britanniae situm populosque multis scriptoribus memoratos non in comparationem curae ingeniive referam, sed quia tum primum perdomita est. Ita quae priores nondum comperta eloquentia percoluere, rerum fide tradentur. Britannia, insularum quas Romana notitia complectitur maxima, spatio ac caelo in orientem Germaniae, in occidentem Hispaniae obtenditur, Gallis in meridiem etiam inspicitur; septentrionalia eius, nullis contra terris, vasto atque aperto mari pulsantur. Formam totius Britanniae Livius veterum, Fabius Rusticus recentium eloquentissimi auctores oblongae scutulae vel bipenni adsimilavere. Et est ea facies citra Caledoniam, unde et in universum fama est. Transgressis inmensum et enorme spatium procurrentium extremo iam litore terrarum velut in cuneum tenuatur. Hanc oram novissimi maris tunc primum Romana classis circumvecta insulam esse Britanniam adfirmavit, ac simul incognitas ad id tempus insulas, quas Orcadas vocant, invenit domuitque. Dispecta est et Thule, quia hactenus iussum et hiems adpetebat. Sed mare pigrum et grave remigantibus perhibent ne ventis quidem perinde attolli, credo quod rariores terrae montesque, causa ac materia tempestatum, et profunda moles continui maris tardius impellitur. Naturam Oceani atque aestus neque quaerere huius operis est ac multi rettulere; unum addiderim, nusquam latius dominari mare, multum fluminum huc atque illuc ferre, nec litore tenus adcrescere aut resorberi, sed influere penitus atque ambire et iugis etiam ac montibus inseri velut in suo.

11. Ceterum Britanniam qui mortales initio coluerint, indigenae an advecti, ut inter barbaros parum compertum. Habitus corporum varii atque ex eo argumenta. Namque rutilae Caledoniam habitantium comae, magni artus Germanicam originem adseverant; Silurum colorati vultus, torti plerumque crines et posita contra Hispania Hiberos veteres traiecisse easque sedes occupasse fidem faciunt; proximi Gallis et similes sunt, seu durante originis vi, seu procurrentibus in diversa terris positio caeli corporibus habitum dedit. In universum tamen aestimanti Gallos vicinam insulam occupasse credibile est. Eorum sacra deprehendas 〈ac〉 superstitionum persuasione〈s〉; sermo haud multum diversus, in deposcendis periculis eadem audacia et, ubi advenere, in detrectandis eadem formido. Plus tamen ferociae Britanni praeferunt, ut quos nondum longa pax emollierit. Nam Gallos quoque in bellis floruisse accepimus; mox segnitia cum otio intravit, amissa virtute pariter ac libertate. Quod Britannorum olim victis evenit; ceteri manent quales Galli fuerunt.

12. In pedite robur; quaedam nationes et curru proeliantur. Honestior auriga, clientes propugnant. Olim regibus parebant, nunc per principes factionibus et studiis 〈dis〉trahuntur. Nec aliud adversus validissimas gentes pro nobis utilius quam quod in commune non consulunt. Rarus duabus tribusve civitatibus ad propulsandum commune periculum conventus. Ita singuli pugnant, universi vincuntur. Caelum crebris imbribus ac nebulis foedum; asperitas frigorum abest. Dierum spatia ultra nostri orbis mensuram; nox clara et extrema Britanniae parte brevis, ut finem atque initium lucis exiguo discrimine internoscas. Quod si nubes non officiant, aspici per noctem solis fulgorem, nec occidere et exsurgere, sed transire adfirmant. Scilicet extrema et plana terrarum humili umbra non erigunt tenebras, infraque caelum et sidera nox cadit. Solum praeter oleam vitemque et cetera calidioribus terris oriri sueta patiens frugum, fecundum. Tarde mitescunt, cito proveniunt, eademque utriusque rei causa, multus umor terrarum caelique. Fert Britannia aurum et argentum et alia metalla, pretium victoriae. Gignit et Oceanus margarita, sed subfusca ac liventia. Quidam artem abesse legentibus arbitrantur; nam in rubro mari viva ac spirantia saxis avelli, in Britannia, prout expulsa sint, colligi. Ego facilius crediderim naturam margaritis deesse quam nobis avaritiam.

      10. Ich will Britanniens Lage und Völker, die von vielen Schriftstellern erzählt wurden, nicht zum Vergleich mit deren Sorgfalt oder Begabung wiedergeben, sondern weil es [=Britannien] damals erstmals unterworfen wurde. So wird das, was die Früheren mit Redegewandtheit ausschmückten, weil sie es noch nicht in Erfahrung gebracht hatten, mit Zuverlässigkeit der Tatsachen berichtet werden. Britannien, die Größte der Inseln, welche römische Kenntnis umfasst, liegt hinsichtlich Ausdehnung und Lage nach Osten Germanien, nach Westen Spanien gegenüber, nach Süden ist es sogar in Sichtweite der Gallier; seine nördlichen Gegenden werden, keinem Land gegenüberliegend, vom weiten und offenen Meer umbrandet. Den Umriss ganz Britanniens verglichen die redegewandtesten Geschichtsschreiber, Livius von den Älteren und Fabius Rusticus von den Jüngeren, mit einer länglichen Schüssel oder einer Doppelaxt. Und diese Form hat es diesseits von Schottland, von wo auch überhaupt die Ansicht kommt. Für die, die den unermesslichen und gewaltigen Raum der sich schon an der äußersten Küste erstreckenden Länder durchschritten haben, verschmälert er sich wie zu einem Keil. Indem die römische Flotte damals diese Küste des äußersten Meeres erstmals umsegelte, bestätigte sie, dass Britannien eine Insel ist, und zugleich fand und unterwarf sie die Inseln, die man die Orkney-Inseln nennt, die bis zu dieser Zeit unbekannt waren. Man nahm auch Thule wahr [erg.: aber eroberte es nicht], weil es nur bis dorthin befohlen war und der Winter nahte. Aber man berichtet, dass das träge und für Ruderer schwere Meer ebenso nicht einmal durch Winde aufgepeitscht wird, ich glaube, weil die Länder und Berge, der Grund und die Quelle von Stürmen, (dort) seltener sind, und sich die tiefe Masse des durchgehenden Meeres langsamer bewegt. Es ist nicht Aufgabe dieses Werkes, die Beschaffenheit des Ozeans und der Gezeiten zu untersuchen; eins möchte ich hinzufügen, dass das Meer nirgendwo ausgedehnter herrscht und es viele Strömungen hierhin und dorthin sendet, und es nicht (nur) bis zur Küste anschwillt oder zurückflutet, sondern tief hineinfließt und umherflutet und sich in Anhöhen und Berge senkt wie in seinen Bereich.

      11. Im Übrigen steht, wie es bei Barbaren üblich ist, nicht hinlänglich fest, welche Menschen Britannien am Anfang bewohnt haben, Eingeborene oder Herbeigesegelte. Das Aussehen der Körper ist unterschiedlich, und daraus ergeben sich Schlüsse. Denn die Haare der Bewohner Schottlands sind rötlich, und die großen Glieder bezeugen einen germanischen Ursprung; das farbige Gesicht der Siluren, ihre meistens gekräuselten Haare und das gegenüberliegende Spanien machen glaubhaft, dass alte Iberer das Meer überquert und diese Wohnsitze besetzt haben; die, die den Galliern benachbart sind, sind ihnen auch ähnlich, sei es durch den anhaltenden Einfluss des Ursprungs, sei es, dass, weil die Länder in entgegengesetzte Richtungen vorspringen, die Beschaffenheit des Klimas den Körpern ihr (ähnliches) Aussehen gab. Dennoch ist für einen Beurteiler allgemein glaubhaft, dass Gallier die benachbarte Insel besetzt haben. Ihre heiligen Bräuche und abergläubischen Überzeugungen kann man erkennen; ihre Sprache ist nicht sehr unterschiedlich, sie haben dieselbe Kühnheit beim Fordern von Gefahren und, wenn sie da sind, dieselbe Furcht beim Ablehnen. Dennoch zeigen die Britannier mehr Wildheit, wie es bei Menschen ist, die noch kein langer Friede verweichlicht hat. Denn uns ist überliefert, dass auch die Gallier sich einst in Kriegen hervortaten; bald trat mit Muße Trägheit ein, wobei die Tapferkeit zugleich mit der Freiheit verloren war. Dies widerfuhr einst den Besiegten von den Britannier; die übrigen bleiben so, wie die Gallier waren.

      12. Ihre Stärke liegt im Fußvolk; einige Völker kämpfen auch mit dem Streitwagen. Der Wagenlenker ist angesehener, seine Gefolgsleute kämpfen für ihn. Einst gehorchten sie Königen, jetzt werden sie von Häuptlingen durch Parteiungen und Parteilichkeiten auseinandergezogen. Und gegen die stärksten Völker ist für uns nichts nützlicher, als dass sie sich nicht gemeinsam beraten. Selten haben zwei oder drei Stämme eine Versammlung, um eine gemeinsame Gefahr abzuwehren. So kämpfen sie einzeln und wegen gesamt besiegt. Das Klima ist wegen häufiger Regengüsse und Nebelschwaden garstig; die Rauheit der Kälte fehlt (aber). Die Länge der Tage ist größer als bei uns; die Nacht ist hell und im äußersten Teil Britanniens kurz, sodass man das Ende und den Beginn des Tageslichts (nur) mit geringem Unterschied unterscheidet. Denn sie bestätigen, dass, wenn keine Wolken den Weg versperren, man in der Nacht den Glanz der Sonne erblickt, und er [oder: sie] weder untergeht noch aufgeht, sondern vorüberzieht. Freilich richtet der äußerste und flache Teil der Erde mit niedrigem Schatten keine Finsternis auf, und die Nacht senkt sich unterhalb des Himmels und der Gestirne. Der Boden trägt Früchte, außer dem Ölbaum, dem Weinstock und anderem, das gewohnt ist, in wärmeren Ländern zu wachsen, und ist fruchtbar. Es reift langsam, kommt aber schnell hervor, und dasselbe ist der Grund für beiderlei Sachen, die große Feuchtigkeit von Land und Luft. Britannien hat Gold und Silber und andere Metalle, den Lohn des Sieges. Auch der Ozean bringt Perlen hervor, aber bräunliche und blaue. Einige glauben, dass den Sammlern die Kunstfertigkeit fehle; denn im Roten Meer reiße man sie lebend und atmend von den Felsen, in Britannien sammle man sie, so wie sie ausgestoßen [=ans Land gespült] würden. Ich (aber) möchte eher glauben, dass den Perlen die Beschaffenheit fehlt als uns die Gier.