Aeneis 4, 160-195 – Dido und Aeneas in der Höhle, Fama
| Íntereá magnó miscéri múrmure caélum |
| íncipit, ínsequitúr commíxta grándine nímbus, |
| ét Tyrií comités pass(im) ét Troiána iuvéntus |
| Dárdaniúsque nepós Venerís divérsa per ágros |
| técta metú petiére; ruúnt de móntibus ámnes. |
| Spéluncám Didó dux ét Troiánus eándem |
| déveniúnt. Prim(a) ét Tellús et prónuba Iúno |
| dánt signúm; fulsér(e) ignés et cónscius aéther |
| cónubiís summóqu(e) ululárunt vértice Nýmphae. |
| Ílle diés primús letí primúsque malórum |
| cáusa fuít; nequ(e) ením specié famáve movétur |
| néc iam fúrtivúm Didó meditátur amórem: |
| Cóniugiúm vocat, hóc praetéxit nómine cúlpam. |
| Éxtempló Libyaé magnás it Fáma per úrbes, |
| Fáma, malúm qua nón aliúd velócius úllum: |
| Móbilitáte vigét virésqu(e) adquírit eúndo, |
| párva metú primó, mox sés(e) attóllit in áuras |
| íngreditúrque sol(o) ét caput ínter núbila cóndit. |
| Íllam Térra paréns ir(a) ínritáta deórum |
| éxtrem(am), út perhibént, Coe(o) Énceladóque sorórem |
| prógenuít pedibús celer(em) ét pernícibus ális, |
| mónstr(um) horrénd(um), ingéns, cui, quót sunt córpore plúmae, |
| tót vigilés oculí subtér (mirábile díctu), |
| tót linguaé, totid(em) óra sonánt, tot súbrigit aúres. |
| Nócte volát caelí medió terraéque per úmbram |
| strídens néc dulcí declínat lúmina sómno; |
| lúce sedét custós aut súmmi cúlmine técti |
| túrribus aút altís et mágnas térritat úrbes, |
| tám fictí pravíque tenáx quam núntia véri. |
| Haéc tum múltiplicí populós sermóne replébat |
| gaúdens ét paritér fact(a) átqu(e) infécta canébat: |
| véniss(e) Aéneán Troiáno sánguine crétum, |
| cuí se púlchra viró dignétur iúngere Dído; |
| núnc hiem(em) ínter sé luxú, quam lónga, fovére |
| régnor(um) ímmemorés turpíque cupídine cáptos. |
| Haéc passím dea foéda virúm diffúndit in óra. |
Inzwischen beginnt der Himmel, mit großem Brausen in Aufruhr zu geraten, danach folgt ein Unwetter mit Hagel vermischt, sowohl die tyrischen Begleiter als auch die trojanische Jugend und der dardanische Nachkomme der Venus [=Aeneas] suchten auf weiter Flur zerstreut aus Angst verschiedene Unterstände; Wildbäche stürzen von den Bergen herab. Dido und der trojanische Anführer gelangen in dieselbe Höhle.
Als Älteste geben sowohl Tellus [=Erdgöttin] als auch Iuno als Brautführerin [oder: die Brautführerin Iuno] ein Zeichen; Blitze zuckten und der Himmel war Trauzeuge [oder: Blitze und der Himmel, der Trauzeuge, leuchteten] und die Nymphen jauchzten vom höchsten Gipfel. Jener Tag war als erster der Grund für den Tod und die Übel; denn Dido kümmert sich weder um den Anstand noch um ihren guten Ruf und denkt nicht mehr an die heimliche Liebe: Sie nennt es Ehe, mit diesem Namen beschönigt sie die Schuld.
Sofort geht Fama durch die großen Städte Libyens, Fama [=Gerücht], ein Übel, kein anderes ist schneller: Es ist durch die Beweglichkeit stark und gewinnt im Gehen Kräfte, anfangs ist es vor Angst klein, bald erhebt es sich in die Lüfte und schreitet am Boden einher und verbirgt das Haupt zwischen den Wolken. Die Mutter Erde, gereizt durch den Zorn gegen die Götter, zeugte jene, wie man erzählt, als letzte Schwester von Koios und Enceladus, schnellfüßig und mit flinken Flügeln, ein furchtbares Ungeheuer, riesig, wie viele Federn es am Körper hat, so viele wachsame Augen hat es darunter (wunderbar zu sagen), so viele Zungen, ebenso viele Münder ertönen, so viele Ohren spitzt es. Es fliegt in der Nacht mitten am Himmel und durch den Schatten der Erde, schwirrend, und senkt die Augen nicht zum süßen Schlaf; am Tag sitzt es als Wächter entweder am Giebel des höchsten Hauses oder auf hohen Türmen und versetzt die großen Städte in Schrecken, wobei es so an Erlogenem und Bösem [=Lug und Trug] festhält, wie es (auch) ein Bote der Wahrheit ist.
Freudvoll erfüllte es die Völker mit vielfältigem Gerede und verkündete gleichermaßen Geschehenes und Ungeschehenes: Aeneas, von trojanischem Blut entstammend, sei gekommen, die schöne Dido halte es für würdig, sich diesem Mann zu verbinden; nun würden sie miteinander den Winter hindurch, wie lang er auch sei [=den ganzen Winter lang], im Luxus schwelgen [wörtlich: den Winter mit Luxus erwärmen], ohne an die Herrscherpflichten zu denken und sie seien von schändlicher Leidenschaft ergriffen. Dies verbreitet die abscheuliche Göttin weithin in die Münder der Männer.
