Latinarium

Aeneis 2, 730-804 – Der Verlust Kreusas
Iámque propínquabám portís omnémque vidébar
évasísse viám, subitó cum créber ad aúres
vísus adésse pedúm sonitús, genitórque per úmbram
próspiciéns „Nat(e),” éxclamát, „fuge, náte; propínquant.
Árdentés clipeós atqu(e) aéra micántia cérno.”
Híc mihi néscio quód trepidó male númen amícum
cónfus(am) éripuít mentém. Namqu(e) ávia cúrsu
dúm sequor ét not(a) éxcedó regióne viárum,
heú miseró coniúnx fatón(e) erépta Creúsa
súbstitit, érravítne viá seu lápsa resédit,
íncertúm; nec póst oculís est réddita nóstris.
Néc prius ámissám respéx(i) animúmve refléxi
quám tumul(um) ántiquaé Cererís sedémque sacrátam
vénimus: híc demúm colléctis ómnibus úna
défuit, ét comités natúmque virúmque feféllit.
Quém non íncusáv(i) améns hominúmque deórumqu(e),
aút quid in éversá vidí crudélius úrbe?
Áscani(um) Ánchisénque patrém Teucrósque penátes
cómmendó sociís et cúrva válle recóndo;
íps(e) urbém repet(o) ét cingór fulgéntibus ármis.
Stát casús renovár(e) omnés omnémque revérti
pér Troi(am) ét rursús caput óbiectáre períclis.
Príncipió murós obscúraque límina pórtae,
quá gress(um) éxtulerám, repet(o) ét vestígia rétro
óbserváta sequór per nóct(em) et lúmine lústro:
hórror ubíqu(e) animó, simul ípsa siléntia térrent.
Índe domúm, si fórte pedém, si fórte tulísset,
mé refer(o): ínrueránt Dana(i) ét tect(um) ómne tenébant.
Ílicet ígnis edáx summ(a) ád fastígia vénto
vólvitur; éxsuperánt flammaé, furit aéstus ad aúras.
Próced(o) ét Priamí sedés arcémque revíso:
Ét iam pórticibús vacuís Iunónis asýlo
cústodés lectí Phoeníx et dírus Ulíxes
praéd(am) adsérvabánt. Huc úndique Tróia gáza
íncensís erépt(a) adytís, mensaéque deórum
cráterésqu(e) auró solidí, captívaque véstis
cóngeritúr. Puer(i) ét pavidáe long(o) órdine mátres
stánt circúm.
Aúsus quín etiám vocés iactáre per úmbram
ímpleví clamóre viás, maestúsque Creúsam
néquiqu(am) íngemináns iterúmqu(e) iterúmque vocávi.
Quaérent(i) ét tectís urbís sine fíne ruénti
ínfelíx simulácr(um) atqu(e) ípsius úmbra Creúsae
vísa mih(i) ánt(e) oculós et nóta máior imágo.
Óbstipuí, steterúntque com(ae) ét voc faúcibus haésit.
Túm sic ádfar(i) ét curás sic démere díctis:
„Quíd tant(um) ínsanó iuvat índulgere dolóri,
ó dulcís coniúnx? Non haéc sine númine dívum
éveniúnt; nec té comit(em) hínc portáre Creúsam
fás, aut ílle sinít superí regnátor Olýmpi.
Lónga tib(i) éxsili(a) ét vastúm maris aéquor arándum,
ét terr(am) Hésperiám veniés, ubi Lýdius árva
ínter opíma virúm lení fluit ágmine Thýbris.
Íllic rés laetaé regnúmqu(e) et régia cóniunx
párta tibí; lacrimás diléctae pélle Creúsae.
Nón ego Mýrmidonúm sedés Dolopúmve supérbas
áspici(am) aút Graís servítum mátribus íbo,
Dárdanis ét divaé Venerís nurus;
séd me mágna deúm genetríx his détinet óris.
Iámque val(e) ét natí servá commúnis amórem.”
Haéc ubi dícta dedít, lacrimánt(em) et múlta voléntem
dícere déseruít, tenuésque recéssit in aúras.
Tér conátus ibí colló dare brácchia círcum;
tér frustrá comprénsa manús effúgit imágo,
pár levibús ventís volucríque simíllima sómno.
Síc demúm sociós consúmpta nócte revíso.
Átqu(e) hic íngentém comit(um) ádfluxísse novórum
ínveni(o) ádmiráns numerúm, matrésque virósque,
cóllect(am) éxsilió pubém, miserábile vúlgus.
Úndique cónvenér(e) animís opibúsque paráti
ín quascúmque velím pelagó dedúcere térras.
Iámque iugís summaé surgébat Lúcifer Ídae
dúcebátque diém, Danaíqu(e) obséssa tenébant
límina pórtarúm, nec spés opis úlla dabátur.
Céss(i) et súblató montés genitóre petívi.

Und schon näherte ich mich den Toren und schien den ganzen Weg entkommen zu sein, als plötzlich wiederholter Lärm von Füßen zu den Ohren zu kommen schien, und der Vater, der durch den Schatten voraussah, ausruft: „Mein Sohn, mein Sohn, fliehe; sie nähern sich. Ich sehe glänzende Schilde und schimmernde Bronze.”

Jetzt raubte mir, dem Aufgeregten, irgendeine feindliche Gottheit den Sinn und verwirrte ihn [wörtlich: den verwirrten Sinn]. Denn als ich in Eile Abwegen folge und das bekannte Gebiet der Straßen verlasse, ach, blieb meine Gattin Kreusa entweder von ihrem unglückseligen Schicksal entrissen stehen oder irrte vom Weg ab oder setzte sich wankend hin, es ist unklar; und später wurde sie von meinen Augen nicht wieder gesehen [wörtlich: wurde sie meinen Augen nicht zurückgegeben]. Und nicht eher schaute ich zur Verlorenen zurück oder wandte den Sinn zurück, als wir zum Hügel und heiligen Sitz der alten Ceres kamen: hier erst fehlte sie allein, nachdem sich alle gesammelt hatten, sie entging sowohl den Begleitern als auch dem Sohn und dem Mann. Wen von den Menschen und Göttern beschuldigte ich Rasender nicht, oder was sah ich Grausameres bei der Zerstörung der Stadt?

Ich vertraue Askanius, den Vater Anchises und die trojanischen Penaten den Gefährten an und verstecke sie in einem gekrümmten Tal; ich selbst suche wieder die Stadt auf und umgürte mich mit den glänzenden Waffen. Der Beschluss steht fest, alle Wechselfälle zu wiederholen und durch ganz Troja zurückzukehren und das Haupt wieder den Gefahren preiszugeben. Zuerst suche ich die Mauern und die dunkle Schwelle des Tores wieder auf, wo ich den Schritt heraus gesetzt hatte, und folge in der Nacht den beobachteten Spuren zurück und betrachte sie mit dem Auge: überall Schrecken für den Geist, zugleich erschreckt mich die Stille selbst. Von dort wende ich mich nach Hause, ob sie vielleicht, vielleicht dorthin gegangen ist: die Griechen waren hineingebrochen und hielten das ganze Haus besetzt. Sogleich wälzt sich gefräßiges Feuer durch Wind zum obersten Giebel; Flammen schlagen empor, die Glut rast zu den Lüften.

Ich gehe nach vorne und suche wieder den Sitz des Priamus und die Burg auf: und schon bewachten in der leeren Säulenhalle in der Zufluchtsstätte der Juno die ausgewählten Wächter Phoenix und der grausame Odysseus die Beute. Hier wird von überall her der trojanische Schatz, aus angezündeten Heiligtümern geraubt, zusammengetragen, Tische der Götter, Mischkrüge aus festem Gold [wörtlich: fest von Gold] und erbeutete Kleidung. Knaben und ängstliche Mütter stehen in einer langen Reihe daneben.

Ja, ich wagte sogar, Rufe durch die Finsternis erschallen zu lassen, und erfüllte die Straßen mit Geschrei, traurig wiederholte ich es umsonst und rief Kreusa wieder und wieder. Als ich sie suchte und ohne Ende durch die Häuser der Stadt eilte, erschien mir vor den Augen ihr unglückliches Abbild und der Schatten von Kreusa selbst und ihr Abbild war größer als gewohnt. Ich erstarrte, meine Haare sträubten sich und meine Stimme blieb in der Kehle stecken.

Dann sprach sie mich so an und nahm mir mit diesen Worten die Sorgen: „Was hilft es, o lieber Gatte, sich so sehr dem rasenden Schmerz hinzugeben? Dies geschieht nicht ohne das Wirken der Götter; und es ist nicht erlaubt, dass du Kreusa als Gattin von hier nimmst, noch lässt es jener Lenker des hohen Olymp zu. Du musst eine lange Verbannung ertragen und die unermessliche Fläche des Meeres durchpflügen, und du wirst zum Land Hesperien kommen, wo der lydische Tiber mit langsamer Strömung zwischen den fruchtbaren Feldern der Männer fließt. Dort sind dir frohe Umstände, ein Reich und eine königliche Gattin bereitet; verscheuche die Tränen um die geliebte Kreusa. Ich werde nicht die hochmütigen Wohnsitze der Myrmidonen oder der Doloper erblicken oder gehen, um griechischen Müttern zu dienen, ich, eine Nachkommin des Dardanus und die Schwiegertochter der göttlichen Venus; sondern die große Mutter der Götter hält mich in dieser Gegend fest. Und jetzt lebe wohl und bewahre die Liebe zum gemeinsamen Sohn.”

Nachdem sie dies gesagt hatte, verließ sie mich, der ich weinte und vieles sagen wollte, und entschwand in die zarten Lüfte. Dann versuchte ich dreimal, meine Hände um ihren Hals zu legen; dreimal entfloh das vergeblich umfasste Abbild meinen Händen, gleich leichten Winden und dem flüchtigen Traum sehr ähnlich.

So sehe ich schließlich wieder nach den Gefährten, nachdem ich die Nacht verbraucht habe. Und hier entdecke ich staunend, dass eine riesige Zahl von neuen Gefährten zusammengeströmt ist, Mütter und Männer, eine Jungmannschaft, die sich für die Verbannung gesammelt hat, eine bedauernswerte Menge. Von überall her kamen sie zusammen, in Sinn und Besitz dazu bereit, in welche Länder auch immer ich sie übers Meer wegführen wolle.

Und schon erhob sich der Morgenstern vom Bergrücken der Spitze des Idagebirges und führte den Tag herauf, die Griechen hatten die besetzten Schwellen der Tore inne, und es gab gar keine Hoffnung auf Hilfe. Ich ging weg und strebte die Berge an, nachdem ich den Vater hochgehoben hatte.

Quelle des lateinischen Texts:

Gottwein: https://gottwein.de/Lat/verg/aen02.php. Zugriffsdatum: 25.7.2025.