Aeneis 2, 682-729 – Flucht aus dem brennenden Troja
| Écce levís summó de vértice vísus Iúli |
| fúndere lúmen apéx, tactúqu(e) innóxia móllis |
| lámbere flámma comás et círcum témpora pásci. |
| Nós pavidí trepidáre metú crinémque flagrántem |
| éxcuter(e) ét sanctós restínguere fóntibus ígnes. |
| Át pater Ánchisés oculós ad sídera laétus |
| éxtulit ét caeló palmás cum vóce teténdit: |
| „Iúppiter ómnipoténs, precibús si flécteris úllis, |
| áspice nós – hoc tánt(um) –, et sí pietáte merémur, |
| dá deind(e) aúxiliúm, pater, átqu(e) haec ómina fírma.“ |
| Víx ea fátus erát seniór, subitóque fragóre |
| íntonuít laev(um), ét de caélo lápsa per úmbras |
| stélla facém ducéns multá cum lúce cucúrrit. |
| Íllam súmma supér labéntem cúlmina técti |
| cérnimus Ídaeá clarám se cóndere sílva |
| sígnantémque viás; tum lóngo límite súlcus |
| dát luc(em) ét laté circúm loca súlfure fúmant. |
| Híc veró victús genitór se tóllit ad aúras |
| ádfatúrque deós et sánctum sídus adórat: |
| „Iám iam núlla morá (e)st; sequor ét, qua dúcitis, ádsum, |
| dí patrií; serváte domúm, serváte nepótem. |
| Véstr(um) hoc aúguriúm, vestróqu(e) in númine Tróia (e)st. |
| Céd(o) equidém nec, náte, tibí comes íre recúso.“ |
| Díxerat íll(e), et iám per moénia clárior ígnis |
| aúditúr, propiúsqu(e) aestús incéndia vólvunt. |
| „érg(o) age, cáre patér, cervíc(i) impónere nóstrae; |
| ípse subíb(o) umerís, nec mé labor íste gravábit; |
| quó res cúmque cadént, un(um) ét commúne períclum, |
| úna salús ambóbus erít. Mihi párvus Iúlus |
| sít comes, ét longé servét vestígia cóniunx. |
| Vós, famulí, quae díc(am), animís advértite véstris: |
| Ést urb(e) égressís tumulús templúmque vetústum |
| désertaé Cererís, iuxtáqu(e) antíqua cupréssus |
| réligióne patrúm multós serváta per ánnos. |
| Hánc ex díversó sedém veniémus in únam. |
| Tú, genitór, cape sácra manú patriósque Penátes; |
| mé bell(o) é tantó digréss(um) et caéde recénti |
| áttrectáre nefás, donéc me flúmine vívo |
| áblueró.“ |
| Haéc fatús latós umerós subiéctaque cólla |
| véste supér fulvíqu(e) instérnor pélle leónis, |
| súccedóqu(e) onerí; dextraé se párvus Iúlus |
| ímplicuít sequitúrque patrém non pássibus aéquis; |
| póne subít coniúnx. Ferimúr per opáca locórum, |
| ét me, quém dudúm non úll(a) iniécta movébant |
| téla nequ(e) ádversó glomerát(i) exámine Grái, |
| núnc omnés terrént auraé, sonus éxcitat ómnis |
| súspens(um) ét paritér comitíqu(e) oneríque timéntem. |
Siehe, eine kleine, spitze Flamme schien oben vom Scheitel des Iulus Licht auszugießen, und das bei der Berührung unschädliche, zarte Feuer schien über seine Haare zu flammen und sich über die Schläfen zu verbreiten. Wir waren verängstigt und eilten in Angst, das brennende Haar auszuschlagen und das heilige Feuer auszulöschen. Aber Vater Anchises erhob froh die Augen zu den Sternen und streckte mit den Worten die Hände zum Himmel aus: „Allmächtiger Jupiter, wenn du dich je von Bitten bewegen lässt, sieh uns an – nur das erbitte ich –, und wenn wir uns durch Frömmigkeit verdient machen, hilf dann, Vater, und bestätige das Zeichen!“
Kaum hatte der Greis dies gesagt, begann es plötzlich zur Linken mit Krachen zu donnern, und ein vom Himmel geglittener Stern flog, einen Feuerschweif hinter sich herziehend, unter viel Licht durch die Dunkelheit. Wir sehen, dass er über den höchsten Giebel des Hauses gleitet und sich hell im Idawald birgt und den Weg anzeigt; dann gibt seine Spur auf der langen Bahn Licht und die Gegend raucht in weitem Umkreis vor Schwefel.
Jetzt aber erhebt sich der umgestimmte Vater und redet die Götter an und betet den heiligen Stern an: „Jetzt, jetzt gibt es kein Zögern; ich folge und bin da, wohin ihr führt, heimatliche Götter; schützt das Haus, schützt den Enkel! Das ist ein Zeichen von euch, Troja ist in eurer Hand. Ich gebe freilich nach und weigere mich nicht, dich zu begleiten, Sohn.“ Jener hatte gesprochen, und schon hört man durch die Mauern das Feuer lauter, und Hitze und Brände wälzen sich näher.
„Wohlan denn, lieber Vater, setze dich auf meinen Nacken; ich selbst werde dich auf die Schultern nehmen, und mich wird diese Mühe nicht belasten; wie auch immer die Dinge fallen werden, werden wir beide e i n e und eine gemeinsame Gefahr, e i n e Rettung haben. Der kleine Iulus soll mein Begleiter sein, und die Gattin soll meinen Spuren in einigem Abstand folgen. Ihr, Diener, prägt euch ein, was ich sagen werde: Wenn man aus der Stadt hinausgeht, gibt es einen Hügel und einen alten Tempel der Ceres in der Einöde [wörtlich: der verlassenen Ceres], und daneben eine alte, von den Vätern viele Jahre lang mit Ehrfurcht verehrte Zypresse. Zu diesem einen Ort werden wir aus verschiedener Richtung kommen. Du, Vater, nimm mit der Hand die heiligen Gegenstände und die väterlichen Penaten [=Hausgötter]; Es ist Frevel, dass ich, der aus so gewaltigem Kampf und kürzlichem Blutbad fortgegangen bin, sie anfasse, bis ich mich mit fließendem Wasser gereinigt habe.“
Nachdem ich dies gesagt habe, bedecke ich meine breiten Schultern und den gebeugten Nacken mit einer Decke und darüber hinaus mit dem Fell eines braungelben Löwen und nehme die Last auf mich; der kleine Iulus fasst meine rechte Hand und folgt seinem Vater mit kürzeren Schritten; dahinter folgt die Gattin. Wir eilen durch das finstere Gelände und mich, den vorher keine geschleuderten Geschosse noch die sich in feindlicher Schar zusammengerotteten Griechen erschreckten, erschreckt nun jeder Lufthauch; mich, den Angespannten und gleichermaßen um den Begleiter und die Last Fürchtenden, schreckt jedes Geräusch auf.
