Aeneis 2, 624-684 – Anchises weigert sich zu fliehen
| Túm veró mihí visúm consíder(e) in ígnes |
| Íli(um) et éx imó vertí Neptúnia Tróia: |
| ác velutí summís antíqu(am) in móntibus órnum |
| cúm ferr(o) áccisám crebrísque bipénnibus ínstant |
| éruer(e) ágricolaé certát(im), ill(a) úsque minátur |
| ét tremefácta comám concússo vértice nútat, |
| vúlneribús donéc paulát(im) evícta suprémum |
| cóngemuít traxítque iugís avúlsa ruínam. |
| Déscend(o) ác ducénte deó flamm(am) ínter et hóstes |
| éxpediór: dant téla locúm flammaéque recédunt. |
| Átqu(e) ubi iám patriaé pervént(um) ad límina sédis |
| ántiquásque domós, genitór, quem tóller(e) in áltos |
| óptabám primúm montés primúmque petébam, |
| ábnegat éxcisá vitám prodúcere Tróia |
| éxsiliúmque patí. „Vos ó, quibus ínteger aévi |
| sánguis, “ aít, „solidaéque suó stant róbore víres, |
| vós agitáte fugám. |
| Mé si caélicolaé voluíssent dúcere vítam, |
| hás mihi sérvassént sedés. Satis úna supérque |
| vídimus éxcidi(a) ét captaé superávimus úrbi. |
| Síc o síc posit(um) ádfatí discédite córpus. |
| Ípse manú mort(em) ínveniám; miserébitur hóstis |
| éxuviásque petét. Facilís iactúra sepúlcri. |
| Iám prid(em) ínvisús divís et inútilis ánnos |
| démoror, éx quo mé divúm pater átqu(e) hominúm rex |
| fúlminis ádflavít ventís et cóntigit ígni.” |
| Tália pérstabát memoráns fixúsque manébat. |
| Nós contr(a) éffusí lacrimís coniúnxque Creúsa |
| Áscaniúsqu(e) omnísque domús, ne vértere sécum |
| cúncta patér fatóqu(e) urgént(i) incúmbere véllet. |
| Ábnegat ínceptóqu(e) et sédibus haéret in ísdem. |
| Rúrsus in árma ferór mortémque misérrimus ópto. |
| Nám quod cónsili(um) aút quae iám fortúna dabátur? |
| „Mén(e) efférre pedém, genitór, te pósse relícto |
| spérastí tantúmque nefás patri(o) éxcidit óre? |
| Sí nihil éx tantá superís placet úrbe relínqui, |
| ét sedet hóc animó peritúraequ(e) áddere Tróiae |
| téque tuósque iuvát, patet ísti iánua léto, |
| iámqu(e) aderít multó Priamí de sánguine Pýrrhus, |
| nát(um) ant(e) óra patrís, patrém qu(i) obtrúncat ad áras. |
| Hóc erat, álma paréns, quod mé per téla, per ígnes |
| éripis, út mediís host(em) ín penetrálibus útque |
| Áscaniúm patrémque meúm iuxtáque Creúsam |
| álter(um) in álteriús mactátos sánguine cérnam? |
| árma, virí, fert(e) árma; vocát lux última víctos. |
| Réddite mé Danaís; sinit(e) ínstauráta revísam |
| proélia. Númqu(am) omnés hodié moriémur inúlti.” |
| Hínc ferr(o) áccingór rursús clipeóque sinístram |
| ínsertáb(am) aptáns mequ(e) éxtra técta ferébam. |
| Écc(e) autém compléxa pedés in límine cóniunx |
| haérebát, parvúmque patrí tendébat Iúlum: |
| „Sí peritúrus abís, et nós rap(e) in ómnia técum; |
| sín aliqu(am) éxpertús sumptís spem pónis in ármis, |
| hánc primúm tutáre domúm. Cui párvus Iúlus, |
| cuí pater ét coniúnx quondám tua dícta relínquor?” |
| Tália vóciferáns gemitú tect(um) ómne replébat, |
| cúm subitúm dictúqu(e) oritúr mirábile mónstrum. |
| námque manús intér maestórumqu(e) óra paréntum |
| écce levís summó de vértice vísus Iúli |
| fúndere lúmen apéx, tactúqu(e) innóxia móllis |
| lámbere flámma comás et círcum témpora pásci. |
Dann schien mir wahrhaft ganz Ilium in Feuer zu versinken und das neptunische Troja von Grund auf zerstört zu werden: Wie Bauern sich im Wettstreit bemühen, auf dem Berggipfel eine mit Eisen und häufigen Axtschlägen angeschnittene alte Esche umzustürzen, jene droht fortwährend und nickt, hinsichtlich des Laubes erschüttert, mit zitterndem Wipfel, bis sie, allmählich von den Wunden besiegt, zum letzten Mal aufseufzte und vom Bergkamm losgerissen niederstürzte.
Ich steige hinab und komme unter der Führung der Gottheit zwischen der Flamme und den Feinden durch: Die Geschoße machen Platz und die Flammen weichen zurück. Und als ich schon zur Schwelle des väterlichen Wohnsitzes und dem alten Haus gekommen war, weigert sich der Vater, den ich zuerst zu den hohen Bergen hinauftragen wollte und an den ich mich zuerst wandte, nach der Zerstörung Trojas sein Leben fortzuführen und die Verbannung zu ertragen. Er sagte: „O ihr, denen das Blut des Alters frisch ist und denen die Kräfte in ihrer Stärke fest stehen, ihr ergreift die Flucht.
Wenn die Himmelsbewohner gewollt hätten, dass ich weiterlebe, hätten sie mir diesen Wohnsitz bewahrt. Einen Untergang habe ich mehr als genug gesehen und die Eroberung der Stadt überlebt. So, o so grüßt den hingelegten Körper und geht. Ich werde selbst durch meine Hand den Tod finden; ein Feind wird sich erbarmen und nach der Beute streben. Leicht ist der Verlust des Grabes. Schon lange verzögere ich das Leben, den Göttern verhasst und unnütz, seitdem mich der Vater der Götter und König der Menschen mit dem Wind des Blitzes anhauchte und mit Feuer berührte.” Indem er solches in Erinnerung rief, beharrte er dabei und blieb unerschütterlich. Wir dagegen brachen in Tränen aus, die Gattin Kreusa, Askanius und das ganze Haus, dass das Vater nicht alles mit sich verderben und sich auf das drängende Schicksal stürzen wolle. Er weigert sich und bleibt bei seiner Absicht und auf demselben Sitz.
Wieder ergreife ich die Waffen und ich Ärmster wünsche den Tod. Denn welchen Rat oder welches Glück gab es noch? „Hast du, Vater, gehofft, dass ich fortgehen könne, nachdem ich dich verlassen habe und ist so großes Unrecht aus dem väterlichen Mund gekommen? Wenn es den Göttern gefällt, dass nichts von der so großen Stadt übrig bleibt und dies in deinem Sinn ist und es dich erfreut, dich und die Deinen dem untergehenden Troja hinzuzufügen, dann steht die Schwelle diesem Tod offen, und bald wird Pyrrhus mit dem vielen Blut des Priamus da sein, der den Sohn vor den Augen des Vaters, den Vater am Altar niedermetzelt. Dies war es, erhabene Mutter, warum du mich durch Geschoße, durch Feuer entreißt, dass ich den Feind mitten in den Gemächern und dass ich Askanius, meinen Vater und daneben Kreusa erblicke, den einen im Blut des anderen hingeschlachtet? Waffen, Männer, bringt Waffen; der letzte Tag ruft die Besiegten. Gebt mich den Griechen zurück; lasst zu, dass ich den erneuerten Kampf aufsuche. Niemals werden wir heute alle ungerächt sterben.” Dann umgürte ich mich wieder mit dem Schwert, wollte die Linke in den Schild fügen und ihn anpassen und aus dem Haus eilen.
Aber siehe, auf der Schwelle umfasste die Gattin meine Füße, hing an mir und hielt dem Vater den kleinen Iulus hin: „Wenn du weggehst, um zu sterben, nimm auch uns zu allem mit dir mit; wenn du aber aus Erfahrung irgendeine Hoffnung in die ergriffenen Waffen legst, schütze zuerst dieses Haus. Wem wird der kleine Iulus, wem der Vater und werde ich, die ich einst deine Gattin genannt wurde, zurückgelassen?” Solches sprach sie und erfüllte das ganze Haus mit Klagen, als sich ein plötzliches und wunderbar zu sagendes Wunderzeichen zeigt.
Denn siehe, unter den Händen und Gesichtern der traurigen Eltern schien eine kleine, spitze Flamme oben vom Scheitel des Iulus Licht auszugießen, und das bei der Berührung unschädliche, zarte Feuer schien über seine Haare zu flammen und sich über die Schläfen zu verbreiten.
Quelle des lateinischen Texts:
Gottwein: https://gottwein.de/Lat/verg/aen02.php. Zugriffsdatum: 21.7.2025.
