Latinarium

Aeneis 2, 506-558 – Der Tod des Priamus
Fórsitan ét Priamí fuerínt quae fáta requíras.
Úrbis utí captaé casúm convúlsaque vídit
límina téctor(um) ét medi(um) ín penetrálibus hóstem,
árma diú seniór desuéta treméntibus aévo
círcumdát nequíqu(am) umerís et inútile férrum
cíngitur, ác densós fertúr moritúrus in hóstes.
Aédibus ín mediís nudóque sub aétheris áxe
íngens ára fuít iuxtáque vetérrima laúrus
íncumbéns ar(ae) átqu(e) umbrá compléxa penátes.
Híc Hecub(a) ét nataé nequíqu(am) altária círcum,
praécipités atrá ceu témpestáte colúmbae,
cóndens(ae) ét div(um) ámplexaé simulácra sedébant.
Íps(um) autém sumptís Priamúm iuvenálibus ármis
út vidít, „Quae méns tam díra, misérrime cóniunx,
ímpulit hís cingí telís? Aut quó ruis?” ínquit.
„Nón tal(i) aúxilió nec défensóribus ístis
témpus egét; non, s(i) ípse meús nunc ádforet Héctor.
Húc tandém concéd(e); haec ára tuébitur ómnes,
aút moriére simúl.” Sic ór(e) effáta recépit
ád ses(e) ét sacrá longaév(um) in séde locávit.
Écc(e) aut(em) élapsús Pyrrhí de caéde Polítes,
únus nátorúm Priamí, per téla, per hóstes
pórticibús longís fugit ét vacu(a) átria lústrat
saúcius. Íll(um) ardéns infésto vúlnere Pýrrhus
ínsequitúr, iam iámque manú tenet ét premit hásta.
Út tand(em) ánt(e) oculós evásit et óra paréntum,
cóncidit ác multó vitám cum sánguine fúdit.
Híc Priamús, quamqu(am) ín mediá iam mórte tenétur,
nón tamen ábstinuít nec vóc(i) iraéque pepércit:
„Át tibi pró sceler(e),” éxclamát, „pro tálibus aúsis
dí, si quá (e)st caeló pietás quae tália cúret,
pérsolvánt gratés dignás et praémia réddant
débita, quí natí corám me cérnere létum
fécist(i) ét patriós foedásti fúnere vúltus.
Át non ílle, satúm quo té mentíris, Achílles
tális in hóste fuít Priamó; sed iúra fidémque
súpplicis érubuít corpúsqu(e) exsángue sepúlcro
réddidit Héctoreúm mequ(e) ín mea régna remísit.”
Síc fatús seniór telúmqu(e) imbélle sin(e) íctu
cóniecít, raucó quod prótinus aére repúlsum,
ét summó clipeí nequíqu(am) umbóne pepéndit.
Cuí Pyrrhús: „Referés erg(o) haéc et núntius íbis
Pélidaé genitór(i). Illí mea trístia fácta
dégenerémque Neóptolemúm narráre meménto.
Núnc morer(e).” Hóc dicéns altári(a) ad ípsa treméntem
tráxit et ín multó lapsántem sánguine náti,
ímplicuítque comám laevá, dextráque corúscum
éxtulit ác laterí capuló tenus ábdidit énsem.
Haéc finís Priamí fatór(um), hic éxitus íllum
sórte tulít Troi(am) íncens(am) ét prolápsa vidéntem
Pérgama, tót quondám populís terrísque supérbum
régnatór(em) Asiaé. Iacet íngens lítore trúncus,
ávulsúmqu(e) umerís caput ét sine nómine córpus.

Vielleicht fragst du auch, welches Schicksal Priamus hatte. Als er den Fall der eroberten Stadt, die Schwellen der Häuser zerbrochen und den Feind mitten in den Gemächern sah, wirft der Greis vergeblich die lange entwöhnten Waffen um die vom Alter zitternden Schultern, umgürtet sich mit dem nutzlosen Schwert und stürzt sich in die dichten Feinde, um zu sterben.

Mitten in den Gemächern und unter dem nackten Himmelspol stand ein riesiger Altar und daneben ein sehr alter Lorbeerbaum, der sich über den Altar neigte und mit seinem Schatten die Penaten umgab. Hier saßen Hekabe und ihre Töchter vergeblich um den Altar, wie durch ein schwarzes Unwetter hinabstürzende Tauben, dicht gedrängt und umfassten die Götterbilder. Als sie aber Priamus sah, wie er selbst die Waffen der Jugend [wörtlich: die jugendlichen Waffen] ergriffen hatte, sagte sie: „Ärmster Gatte, welche so harte Gesinnung hat dich angetrieben, dich mit diesen Waffen zu gürten? Oder wohin eilst du? Die Lage bedarf nicht solcher Hilfe oder dieser Verteidiger; auch nicht, wenn mein Hektor selbst jetzt da wäre. Begib dich endlich hierher; dieser Altar wird uns alle schützen, oder du wirst zugleich (mit uns) sterben.” Nachdem sie so gesprochen hatte, nahm sie ihn bei sich auf und setzte den Hochbetagten auf den heiligen Sitz.

Aber siehe, Polites, einer der Söhne des Priamus, flieht, dem Morden des Pyrrhus entkommen, in der langen Säulenhalle durch Geschoße, durch Feinde und durcheilt verwundet den langen Saal. Jenen verfolgt Pyrrhus, rasend wegen der feindlichen Wunde, und schon ergreift er ihn mit der Hand und durchbohrt ihn mit der Lanze. Wie er endlich zu den Augen und zum Gesicht der Eltern entkam, fiel er nieder und vergoss mit viel Blut sein Leben.

Jetzt hielt sich Priamus, obwohl er schon mitten im Tod befand, dennoch nicht zurück und schonte weder die Stimme noch den Zorn: „Aber dir mögen für das Verbrechen, weil du solches gewagt hast, die Götter, wenn es im Himmel eine Gerechtigkeit gibt, die sich um solches kümmert, würdigen Dank abstatten und einen gebührenden Lohn geben, der du mich vor meinen Augen den Tod meines Sohnes wahrnehmen ließest und mit dem Mord das väterliche Gesicht geschändet hast. Aber jener, dem zu entstammen du erlügst, Achilles, war nicht so zu seinem Feind Priamus; sondern er achtete Recht und Treue des Bittenden, gab mir den blutleeren Körper des Hektor für ein Grab zurück und ließ mich in mein Reich zurück.” So sprach der Greis und warf ohne Schwung die unkriegerische Lanze, welche sogleich vom dumpfen Erz abgewehrt wurde und vergeblich ganz oben vom Buckel des Schildes herabhing.

Zu diesem sagte Pyrrhus: „Melde also dies [wörtlich: Du wirst dies also melden] und gehe als Bote zu meinem Vater, dem Peliden [wörtlich: und wirst…gehen]. Denke daran, jenem von meinen abstoßenden Taten und dem entarteten Neoptolemus zu erzählen. Jetzt stirb.” Indem er dies sprach, zerrte er den Zitternden, der im vielen Blut des Sohnes ausglitt, zum Altar selbst, umwickelte sein Haar mit der Linken, erhob mit der Rechten das funkelnde Schwert und stieß es bis zum Griff in seine Seite.

Dies war das Ende des Schicksals des Priamus, hier ereilte ihn nach seinem Los der Tod, als er Troja angezündet und hingesunken sah, der einstige stolze Herrscher über so viele Völker und Länder Asiens. Der riesige Rumpf liegt an der Küste, der Kopf von den Schultern abgetrennt und der Körper ohne Namen.

Quelle des lateinischen Texts:

Gottwein: https://gottwein.de/Lat/verg/aen02.php. Zugriffsdatum: 18.7.2025.