Aeneis 2, 370-437 – Erste Kämpfe
| Prímus sé Danaúm magná comitánte catérva |
| Ándrogeós offért nobís, soci(a) ágmina crédens |
| ínscius, átqu(e) ultró verbís compéllat amícis: |
| „Féstináte, virí! Nam quaé tam séra morátur |
| ségnities? Alií rapiúnt incénsa ferúntque |
| Pérgama: vós celsís nunc prím(um) a návibus ítis?” |
| Díxit, et éxtempló – nequ(e) ením respónsa dabántur |
| fída satís – senit mediós delápsus in hóstes. |
| Óbstipuít retróque pedém cum vóce représsit. |
| Ímprovís(um) asprís velutí qui séntibus ánguem |
| préssit humí niténs trepidúsque repénte refúgit |
| áttollént(em) irás et caérula cólla tuméntem, |
| haúd secus Ándrogeós visú tremefáctus abíbat. |
| Ínruimús densís et círcumfúndimur ármis, |
| ígnarósque locí pass(im) ét formídine cáptos |
| stérnimus; áspirát primó Fortúna labóri. |
| Átqu(e) hic súccess(u) éxsultáns animísque Coroébus |
| „Ó socií, qua prím(a)” inquít „Fortúna salútis |
| mónstrat itér, quaqu(e) óstendít se déxtra, sequámur: |
| mútemús clipeós Danaúmqu(e) insígnia nóbis |
| áptemús. Dolus án virtús, quis in hóste requírat? |
| Árma dabúnt ipsí.” Sic fátus deínde comántem |
| Ándrogeí galeám clipeíqu(e) insígne decórum |
| índuitúr lateríqu(e) Argív(um) accómmodat énsem. |
| Hóc Rhipeús, hoc ípse Dymás omnísque iuvéntus |
| laéta facít: spoliís se quísque recéntibus ármat. |
| Vádimus ímmixtí Danaís haud númine nóstro |
| múltaque pér caecám congréssi proélia nóctem |
| cónserimús, multós Danaúm demíttimus Órco. |
| Díffugiúnt ali(i) ád navés et lítora cúrsu |
| fída petúnt; pars íngentém formídine túrpi |
| scándunt rúrsus equ(um) ét notá condúntur in álvo. |
| Heú nihil ínvitís fas quémquam fídere dívis! |
| Écce trahébatúr passís Priaméia vírgo |
| crínibus á templó Cassándr(a) adytísque Minérvae |
| ád caelúm tendéns ardéntia lúmina frústra, |
| lúmina, nám tenerás arcébant víncula pálmas. |
| Nón tulit hánc speciém furiáta ménte Coroébus |
| ét sesé medi(um) íniecít peritúrus in ágmen; |
| cónsequimúr cunct(i) ét densís incúrrimus ármis. |
| Híc prim(um) éx altó delúbri cúlmine télis |
| nóstror(um) óbruimúr oritúrque misérrima caédes |
| ármorúm faci(e) ét Graiár(um) erróre iubárum. |
| Túm Danaí gemit(u) átqu(e) eréptae vírginis íra |
| úndique cóllect(i) ínvadúnt, acérrimus Aíax |
| ét gemin(i) Átridaé Dolopúmqu(e) exércitus ómnis: |
| Ádversí ruptó ceu quóndam túrbine vénti |
| cónfligúnt, Zephyrúsque Notúsqu(e) et laétus Eóis |
| Eúrus equís; stridúnt silvaé saevítque tridénti |
| spúmeus átqu(e) imó Nereús ciet aéquora fúndo. |
| Íll(i) etiám, si quós obscúra nócte per úmbram |
| fúdimus ínsidiís totáqu(e) agitávimus úrbe, |
| ápparént; primí clipeós mentítaque téla |
| ágnoscúnt atqu(e) óra sonó discórdia sígnant. |
| Ílicet óbruimúr numeró, primúsque Coroébus |
| Péneleí dextrá div(ae) ármipoténtis ad áram |
| prócumbít, cadit ét Rhipeús, iustíssimus únus |
| quí fuit ín Teucrís et sérvantíssimus aéqui |
| – dís alitér visúm –; pereúnt Hypanísque Dymásque |
| cónfix(i) á sociís; nec té tua plúrima, Pánthu, |
| lábentém pietás nec Apóllinis ínfula téxit. |
| Íliací cinerés et flámm(a) extréma meórum, |
| téstor, in óccasú vestró nec téla nec úllas |
| vítavísse vicés, Dana(um) ét, si fáta fuíssent |
| út caderém, meruísse manú. Divéllimur índe, |
| Íphitus ét Peliás mecúm – quor(um) Íphitus aévo |
| iám graviór, Peliás et vúlnere tárdus Ulíxi –, |
| prótinus ád sedés Priamí clamóre vocáti. |
Als Erster der Griechen zeigt sich uns Androgeos, in Begleitung einer großen Schar, hält uns unwissend für verbündete Truppen und spricht uns überdies mit freundlichen Worten an: „Eilt, Männer! Denn welche späte Trägheit hemmt euch? Die Anderen rauben und plündern das angezündete Troja: ihr kommt erst jetzt von den hohen Schiffen?” Er sprach es, und sofort – denn ihm wurde keine ausreichend vertrauenswürdige Antwort gegeben – merkte er, dass er mitten unter die Feinde geraten war. Er erstarrte und zog den Fuß mit der Rede zurück. Wie einer, der im rauen Dornenstrauch auf eine unerwartete Schlange am Boden trat, als er vorwärts strebte und plötzlich ängstlich zurückwich, weil sie zornig wurde und den blauen Hals blähte, nicht anders versuchte Androgeos, vom Anblick erschüttert, sich zu entfernen. Wir stürzen los und drängen uns mit dichten Waffen um sie, und strecken die des Ortes Unkundigen und von Angst Gepackten nach allen Seiten hin; Fortuna unterstützt das erste Werk.
Und jetzt sagt Coroebus, jubelnd über den Erfolg und Mut: „O Gefährten, wie uns Fortuna zuerst den Weg der Rettung zeigt, und wie sie sich günstig erweist, wollen wir folgen: vertauschen wir die Schilder und heften wir uns die Feldzeichen der der Griechen an. List oder Tapferkeit, wer dürfte beim Feind danach fragen? Die Waffen werden sie uns selbst geben.” So spricht er, dann bekleidet er sich mit dem Helm mit Helmbusch des Androgeos und dem an Verzierung reichen Schild und passt der Seite das griechische Schwert an. Dies tut Rhipeus, dies tut selbst Dymas und die ganze Jungmannschaft tut es froh: jeder bewaffnet sich mit der kürzlichen Beute.
Wir gehen, unter die Griechen gemischt, ohne unsere Gottheit, und beginnen zusammengetroffen in der dunklen Nacht viele Gefechte und schicken viele Griechen in die Unterwelt hinab. Andere fliehen auseinander zu den Schiffen und streben in Lauf die sichere Küste an; ein Teil besteigt in schändlicher Furcht wieder das riesige Pferd und versteckt sich im bekannten Bauch.
Wehe, es ist nicht Recht, dass jemand unwilligen Göttern vertraut! Siehe, die Tochter des Priamos, Kassandra, wurde mit aufgelösten Haaren von Tempel und Heiligtum der Minerva weggeschleppt und wandte vergeblich die funkelnden Augen zum Himmel, die Augen, denn Fesseln hinderten die zarten Handflächen. Coroebus ertrug mit rasendem Sinn diesen Anblick nicht und warf sich selbst mitten in die Schar, um zu sterben; wir folgen alle und stürzen uns mit dichtgedrängten Waffen hinein. Jetzt werden wir zuerst vom hohen Dach des Tempels mit Geschoßen der Unseren überschüttet und ein sehr trauriges Blutbad beginnt durch das Aussehen der Waffen und den Irrtum der griechischen Helmbüsche.
Dann greifen die Griechen, die sich von überall her gesammelt haben, mit Gebrüll und Zorn wegen der entrissenen Jungfrau an, der sehr wilde Aiax, beide Atriden und das ganze Heer der Doloper: Wie manchmal entgegengesetzte Winde zusammenstoßen, nachdem ein Sturm hervorgebrochen ist, der Westwind und der Südwind und der über seine östlichen Pferde frohe Südostwind; die Wälder rauschen und der schäumende Nereus wütet mit dem Dreizack und bringt das Meer vom untersten Grund in Aufruhr. Auch jene, die wir vielleicht in der dunklen Nacht durch die Finsternis mit Hinterhalten verstreut und in der ganzen Stadt gejagt haben, erscheinen; sie erkennen zuerst die Schilder und falschen Waffen und bemerken am Klang die abweichende Sprache.
Sogleich werden wir von der Zahl erdrückt, und als Erster sinkt Coroebus von der Rechten des Peneleos am Altar der waffengewaltigen Göttin nieder, auch Rhipeus fällt, der eine Gerechteste, den es unter den Trojanern gab, und der das Gerechte am meisten beachtete – den Göttern gefiel es anders –; Hypanis und Dymas kommen um, von den Freunden durchbohrt; auch dich, Panthus, schützte, als du fielst, weder deine sehr große Frömmigkeit noch die Binde Apolls. Asche Trojas und letzte Flamme der Meinen, ich rufe euch zu Zeugen auf, dass ich in eurem Untergang weder Geschoßen noch irgendwelchen Kämpfen ausgewichen bin und dass ich es verdient hätte, von der Hand der Griechen zu fallen, wenn die Göttersprüche gewesen wären, dass ich fiele.
Von dort werden wir auseinander gerissen, Iphitus und Pelias wurden mit mir – von denen Iphitus schon ziemlich vom Alter gebeugt und Pelias von einer durch Odysseus zugefügten Wunde gehemmt war –, sogleich von Geschrei zum Sitz des Priamus gerufen.
Quelle des lateinischen Texts:
Gottwein: https://gottwein.de/Lat/verg/aen02.php. Zugriffsdatum: 16.7.2025.
