Latinarium

Aeneis 2, 298-369 – Troja brennt
Dívers(o) íntereá miscéntur moénia lúctu,
ét magis átque magís, quamquám secréta paréntis
Ánchisaé domus árboribúsqu(e) obtécta recéssit,
clárescúnt sonitús armórumqu(e) íngruit hórror.
Éxcutiór somn(o) ét summí fastígia técti
áscensú super(o) átqu(e) arréctis aúribus ásto:
ín segetém velutí cum flámma furéntibus Aústris
íncidit, aút rapidús montáno flúmine tórrens
stérnit agrós, sternít sata laéta boúmque labóres
praécipitísque trahít silvás; stupet ínscius álto
áccipiéns sonitúm saxí de vértice pástor.
Túm veró manifésta fidés, Danaúmque patéscunt
ínsidiaé. Iam Déiphobí dedit ámpla ruínam
Vólcanó superánte domús, iam próximus árdet
Úcalegon: Sige(a) ígni fréta láta relúcent.
Éxoritúr clamórque virúm clangórque tubárum.
Árm(a) améns capió; nec sát ratiónis in ármis,
séd glomeráre manúm bell(o) ét concúrrer(e) in árcem
cúm sociís ardént animí; furor íraque méntem
praécipitát, pulchrúmque morí succúrrit in ármis.
Écc(e) autém telís Panthús elápsus Achívum,
Pánthus Óthryadés, arcís Phoebíque sacérdos,
sácra manú victósque deós parvúmque nepótem
ípse trahít cursúqu(e) améns ad límina téndit.
„Quó res súmma locó, Panthú? Quam préndimus árcem?”
Víx ea fátus erám, gemitú cum tália réddit:
„Vénit súmma diés et inéluctábile témpus
Dárdaniaé. Fuimús Troés, fuit Íli(um) et íngens
glória Teúcrorúm; ferus ómnia Iúppiter Árgos
tránstulit; íncensá Danaí dominántur in úrbe.
Árduus ármatós mediís in moénibus ádstans
fúndit equús victórque Sinón incéndia míscet
ínsultáns. Portís alií bipaténtibus ádsunt,
mília quót magnís umquám venére Mycénis;
óbsedér(e) alií telís angústa viárum
óppositís; stat férr(i) aciés mucróne corúsco
strícta, paráta necí; vix prími proélia témptant
pórtarúm vigilés et caéco Márte resístunt.”
Tálibus Óthryadaé dictís et númine dívum
ín flammás et in árma ferór, quo trístis Erínys,
quó fremitús vocat ét sublátus ad aéthera clámor.
Áddunt sé sociós Rhipeús et máximus ármis
Épytus, óblatí per lún(am), Hypanísque Dymásque
ét later(i) ádglomeránt nostró, iuvenísque Coroébus
Mýgdonidés – illís ad Tróiam fórte diébus
vénerat ínsanó Cassándr(ae) incénsus amóre
ét gener aúxiliúm Priamó Phrygibúsque ferébat,
ínfelíx qui nón sponsaé praecépta furéntis
aúdierit!
Quós ubi cónfertós ardér(e) in proélia vídi,
íncipió super hís: „Iuvenés, fortíssima frústra
péctora, sí vobís audént(em) extréma cupído
cérta sequí, quae sít rebús fortúna vidétis:
éxcessér(e) omnés adytís arísque relíctis
dí quibus ímperi(um) hóc steterát; succúrritis úrbi
íncensaé. Moriámur et ín medi(a) árma ruámus.
Úna salús victís nullám speráre salútem.”
Síc animís iuvenúm furor ádditus. Índe, lupí ceu
ráptorés atr(a) ín nebulá, quos ímproba véntris
éxegít caecós rabiés catulíque relícti
faúcibus éxspectánt siccís, per téla, per hóstes
vádimus haúd dubi(am) ín mortém mediaéque tenémus
úrbis itér; nox átra cavá circúmvolat úmbra.
Quís clad(em) ílliús noctís, quis fúnera fándo
éxplicet aút possít lacrimís aequáre labóres?
Úrbs antíqua ruít multós domináta per ánnos;
plúrima pérque viás sternúntur inértia pássim
córpora pérque domós et réligiósa deórum
límina. Néc solí poenás dant sánguine Teúcri;
quónd(am) etiám victís redit ín praecórdia vírtus
víctorésque cadúnt Danaí. Crudélis ubíque
lúctus, ubíque pavór et plúrima mórtis imágo.

Inzwischen werden die Mauern mit einzelnem Jammern erfüllt, und der Lärm wird immer und immer lauter, obwohl das Haus meines Vaters Anchises abgesondert und von Bäumen bedeckt zurücklag, und der Schrecken der Waffen bricht herein. Ich fahre vom Schlaf auf und besteige den Giebel der Dachspitze und stehe mit gespitzten Ohren da: wie wenn durch die Raserei der Südwinde eine Flamme auf die Saat fällt, oder ein reißender Wildbach von einem Bergfluss die Äcker, die fruchtbaren Saaten und die Mühen der Rinder vernichtet und Wälder in den Abgrund reißt; der unwissende Hirte staunt von der Spitze des Felsens, als er den Lärm aus der Höhe vernimmt.

Dann aber wird die Untreue deutlich, die Listen der Griechen werden offenkundig. Schon stürzt das große Haus des Deiphobus ein, als das Feuer siegt, schon brennt der Nachbar Ucalegon: die große sigeische Meerenge leuchtet wider von Feuer. Es erhebt sich Geschrei von Männern und Getöne von Trompeten. Von Sinnen ergreife ich die Waffen; und im Kampf liegt nicht genug Sinn, aber der Geist brennt danach, eine Schar zum Kampf zusammenzubringen und zur Burg zu eilen; Raserei und Zorn reißt den Geist dahin, und mir kommt der Gedanke, dass es schön ist, im Kampf zu sterben.

Aber siehe, Panthus, der Sohn des Othrys, der Priester der Burg und des Apoll, schleppt selbst, den Geschoßen der Griechen entronnen, mit der Hand die heiligen Gegenstände, die besiegten Götter und den kleinen Enkel und strebt von Sinnen im Lauf zur Schwelle. „An welchem Ort ist der Hauptkampf, Panthus? Was nehmen wir als Zuflucht?” Kaum hatte ich dies gesagt, als er mit Stöhnen solches zurückgab: „Der letzte Tag und die unabwendbare Zeit Trojas ist gekommen. Wir waren Trojaner, es gab Troja und den riesigen Ruhm der Trojaner; der wilde Jupiter hat alles nach Argos übertragen; die Griechen herrschen in der angezündeten Stadt. Das steil aufragende Pferd, das mitten innerhalb der Mauern steht, gießt Bewaffnete aus und der Sieger Sinon erregt höhnend Brände. Die anderen sind durch die doppelt geöffneten Tore da, so viele Tausende, wie jemals vom großen Mykene gekommen sind; andere haben mit feindlichen Geschoßen die Engstellen der Straßen besetzt; die Schärfe des Eisens starrt gezückt mit blitzender Klinge, bereit zum Mord; kaum wagen die ersten Wächter der Tore den Kampf und widersetzen sich in blindem Gefecht.”

Durch solche Worte des Othryssohns und das Wirken der Götter eile ich zu den Flammen und in den Kampf, wohin die bittere Erinys, wohin der Lärm und das zum Himmel erhobene Geschrei mich ruft. Als Gefährten schließen sich an Rhipeus und der durch Waffen sehr starke Epytus, die mir durch den Mondschein begegneten, Hypanis und Dymas, und schließen sich meiner Seite an, und der junge Coroebus, der Sohn Mygdons – er war zufällig in jenen Tagen nach Troja gekommen, von wahnsinniger Liebe zu Kassandra entbrannt, und versuchte als Schwiegersohn dem Priamus und den Trojanern Hilfe zu bringen, der Unglückliche, der nicht auf die Warnungen seiner rasenden Braut gehört hat!

Als ich diese dicht gedrängt auf die Schlacht brennen sah, beginne ich dazu: „Jünglinge, vergeblich sehr tapfere Herzen, wenn ihr das feste Verlangen habt, dem zu folgen, der das Äußerste wagt, ihr seht, welche Lage unsere Sache hat: alle Götter, durch die dieses Reich stand, sind verschwunden und verließen ihre Heiligtümer und Altäre; ihr eilt der angezündeten Stadt zu Hilfe. Sterben wir und stürzen wir uns mitten in den Kampf. Das einzige Heil für Besiegte ist, kein Heil zu erhoffen.” So wurde dem Sinn der jungen Männer Wut hinzugefügt, von dort gehen wir wie Wölfe als Räuber im dunklen Nebel, welche der schlimme Grimm des Bauches blind machte und welche die zurückgelassenen Jungen mit trockenen Mäulern erwarten, durch Geschoße, durch Feinde (gehen wir) ohne Zweifel in den Tod und schlagen den Weg mitten durch die Stadt ein; die schwarze Nacht umschwebt uns mit umhüllendem Schatten.

Wer könnte durch Sprechen das Unglück jener Nacht, wer die Toten darlegen oder die Leiden mit Tränen aufwiegen? Die alte Stadt stürzt, die viele Jahre lang geherrscht hat; sowohl über die Straßen als auch über die Häuser und die heiligen Schwellen der Götter werden sehr viele regungslose Körper weithin niedergestreckt. Aber nicht allein die Trojaner büßen mit Blut; manchmal kehrt auch den Besiegten Mut in die Brust zurück und die siegreichen Griechen fallen. Überall grausame Trauer, überall Furcht und ein sehr vielfältiges Bild des Todes.

Quelle des lateinischen Texts:

Gottwein: https://gottwein.de/Lat/verg/aen02.php. Zugriffsdatum: 13.7.2025.