Aeneis 2, 248-297 – Die Traumerscheinung Hektors
| Nós delúbra deúm miserí, quibus últimus ésset |
| ílle diés, festá velámus frónde per úrbem. |
| Vértitur íntereá cael(um) ét ruit Óceanó nox |
| ínvolvéns umbrá magná terrámque polúmque |
| Mýrmidonúmque dolós; fusí per moénia Teúcri |
| cónticuére; sopór fessós compléctitur ártus. |
| Ét i(am) Argíva phalánx instrúctis návibus íbat |
| á Tenedó tacitaé per amíca siléntia lúnae |
| lítora nóta peténs, flammás cum régia púppis |
| éxtulerát, fatísque deúm defénsus iníquis |
| ínclusós uteró Danaós et pínea fúrtim |
| láxat claústra Sinón. Illós patefáctus ad aúras |
| réddit equús laetíque cavó se róbore prómunt |
| Théssandrús Sthenelúsque ducés et dírus Ulíxes, |
| démissúm lapsí per fún(em), Acamásque Thoásque |
| Pélidésque Neóptolemús primúsque Macháon |
| ét Meneláus et ípse dolí fabricátor Epéos. |
| Ínvadúnt urbém somnó vinóque sepúltam; |
| caéduntúr vigilés, portísque paténtibus ómnis |
| áccipiúnt sociós atqu(e) ágmina cónscia iúngunt. |
| Témpus erát quo príma quiés mortálibus aégris |
| íncipit ét donó divúm gratíssima sérpit. |
| Ín somnís, ecc(e), ánt(e) oculós maestíssimus Héctor |
| vísus adésse mihí largósqu(e) effúndere flétus, |
| ráptatús bigís ut quónd(am), atérque cruénto |
| púlvere pérque pedés traiéctus lóra tuméntes. |
| Eí mihi, quális erát, quantúm mutátus ab íllo |
| Héctore quí redit éxuviás indútus Achílli |
| vél Danaúm Phrygiós iaculátus púppibus ígnes! |
| Squálentém barb(am) ét concrétos sánguine crínes |
| vúlneraqu(e) ílla geréns, quae círcum plúrima múros |
| áccepít patriós. Ultró flens ípse vidébar |
| cómpelláre vir(um) ét maestás exprómere vóces: |
| „Ó lux Dárdaniaé, spes ó fidíssima Teúcrum, |
| quaé tantaé tenuére moraé? Quibus Héctor ab óris |
| éxspectáte venís? Ut té post múlta tuórum |
| fúnera, póst variós hominúmqu(e) urbísque labóres |
| défess(i) áspicimús! Quae caús(a) indígna serénos |
| foédavít vultús? Aut cúr haec vúlnera cérno?” |
| Ílle nihíl, nec mé quaeréntem vána morátur, |
| séd gravitér gemitús imó de péctore dúcens, |
| „Heú fuge, náte deá, tequ(e) hís” ait „éripe flámmis. |
| Hóstis habét murós; ruit ált(o) a cúlmine Tróia. |
| Sát patriaé Priamóque datúm: si Pérgama déxtra |
| défendí possént, eti(am) hác defénsa fuíssent. |
| Sácra suósque tibí comméndat Tróia penátes; |
| hós cape fátorúm comités, his moénia quaére |
| mágna perérrató statués quae dénique pónto.” |
| Síc ait ét manibús vittás Vestámque poténtem |
| aéternúmqu(e) adytís effért penetrálibus ígnem. |
Wir Armen, für die jener Tag der letzte war, schmücken die Heiligtümer der Götter in der Stadt mit festlichem Laub. Inzwischen wendet sich der Himmel und die Nacht stürzt aus dem Ozean hervor und hüllt mit großer Finsternis das Land und den Himmelspol und das Trugwerk der Myrmidonen ein; die über die Mauer verstreuten Trojaner schwiegen; Schlaf umfasst die erschöpften Glieder. Und schon fuhr die argivische Schar mit geordneten Schiffen von Tenedos durch die freundliche Stille des verschwiegenen Mondes und strebte die bekannte Küste an, als das königliche Schiff Flammen leuchten ließ, und der von den ungerechten Schicksalssprüchen der Götter beschützte Sinon befreit heimlich die im Bauch eingeschlossenen Griechen und lockert den Riegel aus Pinienholz.
Geöffnet gibt das Pferd jene den Lüften zurück und froh kommen aus dem hohlen Hartholz hervor die Anführer Thessandrus, Sthenelus und der grausame Odysseus, über das herabgelassene Tau geglitten, Acamas und Thoas, der Pelide Neoptolemus und als Erster Machaon und Menelaus und Epeos selbst, der Schöpfer des Trugwerks. Sie überfallen die in Schlaf und Wein versenkte Stadt; sie töten die Wächter, nehmen bei offenen Toren alle Gefährten auf und verbinden die eingeweihten Scharen.
Es war die Zeit, in der für die traurigen Sterblichen die erste Ruhe beginnt und als Geschenk der Götter sehr willkommen heranschleicht. Siehe, mir schien im Traum Hektor sehr traurig da zu sein und viele Tränen zu vergießen, geschleift vom Zweigespann wie damals, und schwarz von blutigem Staub und durch die geschwollenen Füße mit Riemen durchbohrt. Weh mir, wie war er, wie viel verändert von jenem Hektor, der mit der Rüstung Achills bekleidet zurückkam oder phrygisches Feuer auf die Schiffe der Griechen warf! Mit schmutzigem Bart und von Blut verklebten Haaren und jenen sehr vielen Wunden, die er um die väterlichen Mauern empfing. Dazu schien ich selbst weinend den Mann anzureden und traurige Worte hervorzustoßen: „O Licht Trojas, o festeste Hoffnung der Trojaner, welche so großen Verzögerungen hielten dich auf? Von welchen Küsten kommst du, erwarteter Hektor? Wie erblicken wir dich, nach vielen Begräbnissen der Deinen, nach vielfältigen Mühen der Menschen und der Stadt erschöpft! Welcher schändliche Grund hat deine heitere Miene entstellt? Oder warum sehe ich diese Wunden?”
Jener antwortet nichts und hält sich nicht bei meinem nichtigen Fragen auf, sondern sagt, wobei er tief aus der Brust schwer seufzt, „Wehe, fliehe, Sohn der Göttin, und entreiße dich diesen Flammen. Der Feind hält die Mauern besetzt; Troja stürzt vom hohen Gipfel herab. Für die Heimat und Priamus wurde genug getan: wenn Troja von einer Rechten verteidigt werden könnte, wäre es auch von dieser verteidigt worden. Troja vertraut dir seine heiligen Gegenstände und seine Penaten an; nimm sie als Begleiter deines Schicksals, suche ihnen große Mauern, die du schließlich errichten wirst, nachdem du das Meer durchirrt hast.” So sprach er und bringt mit den Händen die Binden, die mächtige Vesta und das ewige Feuer aus dem Allerheiligsten hervor.
Quelle des lateinischen Texts:
Gottwein: https://gottwein.de/Lat/verg/aen02.php. Zugriffsdatum: 13.7.2025.
